The Legend of the Stardust Brothers – Film/Soundtrack

 
Im Jahr 1985 kam es zu einem Treffen zwischen Filmstudent Makoto Tezuka und dem Musiker Haruo Chikada, der den Soundtrack für einen nicht existierenden Film unter dem Titel „the legend of the stardust brothers” zusammengestellt hatte, da er nur so in der damaligen Zeit eine handfeste Legitimation hatte, verschiedene Musik-Stile miteinander komponieren und mischen zu können. 
Makoto Tezuka (Sohn des berühmten Osamu Tezuka, besser bekannt als „Gott des Manga“. Massgeblich an den Anfängen der japanischen Anime-Kultur beteiligt – unter anderem in den 60ern mit “astro boy”) entschied sich, zusammen mit Haruo Chikada als Produzent den passenden Film zum Soundtrack zu drehen, um damit auch endlich aus dem Schatten seines berühmten Vaters treten zu können. 
Herausgekommen ist ein trashiges Meisterwerk mit pop-kulturellem und visuellem Mash-Up in Anlehnung an die Musikvideo-Ästhetik der 80er, gespickt mit traditionellen und westlichen Elementen mit einer Besetzung aus einigen der berühmtesten japanischen Musiker*innen der damaligen Zeit. 
Mit Kan, dem Punk-Musiker, und Shingo dem Glam-Popper stehen sich zwei musikalische Lager gegenüber, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Und doch müssen sie sich zusammentun – als “stardust brothers” – um in der Musikindustrie erfolgreich sein zu können. So begleiten wir die beiden Protagonisten auf einer rasant musikalischen Fahrt vom Aufstieg in den Musikhimmel inkl. Fanclub unter Führung von Marimo, der 1. Vorstizenden, die für den “Kawaii”-Faktor im Film sorgt und kreischender Fans bis hin zum Fall durch Überfluss, Drogen und Einsamkeit. Dabei werden die Lieder des Soundtracks perfekt in die Erzählstruktur des Films eingebunden, indem man sich von skurrilem Musikvideo zu noch skurrilerem Musikvideo durch die Geschichte hangelt, fast schon wie in einem Musical aber sympathisch laienhaft. Gespickt mit vielen visuellen popkulturellen Querverweisen und einem androgynen Bowie-haften Bösewicht in Anime-Manier – die epileptischen Blitzlichter dürfen da natürlich auch nicht fehlen – weist der Film dennoch auch eine tiefergehende Gesellschaftskritik auf. Vor der Oberflächlichkeit der Musikindustrie wird nicht Halt gemacht, die Talent für Talent verbrennt und verschleudert um noch mehr Umsatz zu generieren. Und so sind die Musiker nur Namen, die man schnell gegen neue austauschen kann. Am Ende wartet noch ein toller sarkastischer Twist, der das Ganze ins noch absurdere katapultiert. 
Im Grossen und Ganzen ein sehr gelungener Film für einen verrückten Abend zwischen musikalischer Subkultur aus den 80ern inkl. catchy Lieder, dem ganz grossen Fame, einer Prise Bryan Ferry und der Ernüchterung, dass in der Musikindustrie wirklich jeder zu “Stardust” zermahlen werden kann. 
 
In Anbetracht dessen ist es unerklärlich und fast schon sehr schade, dass der Film damals nach Veröffentlichung komplett in der Versenkung verschwunden ist – sowohl in Japan als auch weltweit. Bleibt zu hoffen, dass mehr als 30 Jahre später durch den neuen Directors Cut und die Neuerscheinung des Soundtracks dem Film ganz viel Liebe und Anerkennung zuteil wird! 
Der Film ist am Freitag erschienen. Der Soundtrack erscheint am 18. September remastered als LP plus 7“ neu.

(bt)