No – Domestic Pulse

„No“ ist Antonio Pavao Pereira Quebec. Seit einiger Zeit veröffentlicht er bereits bei dem feinen Belfaster Label Tapes und Tracks. Nun ist gerade sein Debüt Album „domestic pulse“ erschienen. Das Label verrät es schon: „No“ ist elektronisch, coldwavig und tanzbar. Ich fühle mich ein wenig an „Soft Riot“ erinnert. Der Popsong bleibt dabei immer im Blick. Schönes Debüt eines Künstlers, von dem wir sicher noch hören werden.

(vk)

I Start Counting – Re-Fused / Ejected

Das britische Duo „I Start Counting“ hat eine interessante Geschichte hinter sich: Es begann in den frühen 80er Jahren und hatte das Glück, einen Vertrag bei dem Label Mute ergattern zu können. Ihre Musik ist zwar im weitesten Sinne Synthie Pop, hebt sich aber durch spleenige Ideen und Breaks von anderen Bands jener Zeit ab. Die Band veröffentlichten 1986 ein noch eher synthpoppiges Minialbum, gefolgt von dem 1988 erschienenen „fused“, das deutliche New Beat Anleihen aufwies. Als es noch technoider bzw. danciger wurde, benannten sie sich in „Fortran 5“ und Mitte der 90er in „Komputer“ um. Unter dem letzten Namen sind sie bis heute aktiv. Zurück zu „I Start Counting“: Im März erscheinen – zunächst nur digital und auf CD – gleich zwei Alben mit Demos und unveröffentlichten Tracks, die aus der Zeit der ersten beiden Alben stammen: „re-fused“ und „ejected“. Die beiden Zusammenstellungen fügen sich prima in ihr damaliges Werk ein und sind keinesfalls – wie sonst gerne bei solchen Veröffentlichungen – Ausschuss.

(vk)

Various – Miniroboter 2

Nicht ohne Stolz stelle ich den neuen „miniroboter 2“ Sampler vor; denn mit dabei sind die „Bêtes Sauvages“ – mein neues Projekt zusammen mit Biljana Tomic – mit ihrem ersten Release überhaupt. Darüber hinaus sind noch spannende Acts wie „Staatseinde„, „Hans Uran“ und „Dada Pogrom“ dabei. Knapp zehn Jahre nach dem schon legendären Ruf genießenden ersten Teil war es für das Label Kernkrach sicher nicht ganz leicht, einen würdigen Nachfolger abzuliefern. Ich denke aber, das ist – unabhängig von unserem Track – gelungen. Auch das 3D Artwork mit beigefügter 3D Brille tut sein übriges. Tipp! Und zu kaufen hier.

(vk)

Broadcast – Microtronics – Volumes 1 & 2 / Mother Is The Milky Way / BBC Maida Vale Sessions

Elf Jahre ist der tragische Tod von „Broadcast“-Sängerin Trish Keenan inzwischen her. Die Band konnte sich aber in der viel zu kurzen Zeit ihrer Existenz seit Mitte der 90er ein besonderes Standing erarbeiten: Sie veröffentlichte nicht nur auf dem für elektronische Pionierarbeit bekannten Label Warp und verschmolz spacige 60er Sounds und Melodien mit neuen Mitteln und Ideen, nein, sie schaffte es zu einer Referenz für unzählige andere Acts wie etwa „Vanishing Twin“ zu werden. Lange schien es so, als ob der bereits posthum erschienene Soundtrack „berberian sound studio„, eine Collage von Snippets, das letzte Album der Band bleiben würde.

Im März erscheinen nun gleich drei(!) Alben, die noch unter Beteiligung Keenans enstanden waren. „microtronics“ fasst zwei instrumentale Tour CDs auf einer LP zusammen. „mother is the milky way“ war ein reguläres Album, das es aber nur auf Tour-CD gab. „bbc maida vale sessions“ sind – wie der Name verrät – BBC Sessions. Alle Releases erscheinen nicht zum ersten Mal, feiern aber ihre Premiere auf Vinyl. Wenn das kein Grund zur Freude ist!

(vk)

Ben Salisbury & Geoff Barrow – Archive 81

Vielleicht hat der/die ein oder andere die aktuelle Netflix Serie Archive 81 gesehen. Hier geht es um Unheimliches und Okkultes. Beim Sehen fiel mir gleich der überaus überzeugende Soundtrack auf. Er stammt von Geoff Barrow („Portishead“, „Beak>“, Labelchef von Invada) und dem Soundtrack Komponisten Ben Salisbury. Sie schaffen es hier, nur durch Sounds eine sehr bedrohliche Atmosphäre aufzubauen. Ich denke, ich verrrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass es in der Serie um das Restaurieren von beschädigten Videos geht. Im Soundtrack nutzen Barrow und Salisbury dabei Sounds, die so klingen, als würde ein beschädigtes Band abgespielt werden. Ein rituelles Gebet wird durch Vermengung von Stimmgabelklängen, einem tranceartigen Gesang und Atmen überzeugend umgesetzt. Derartige Ideen ziehen sich durch den gesamten Soundtrack und werden durch Kompositionen im Stile von Philip Glass  abgerundet. Einige Stücke klingen tatsächlich, als stammten sie von Glass‘ legendären „Koyaanisqatsi“ Soundtrack. Lange war keine Soundtrack mehr so intensiv und gleichzeitig derart passend zur filmischen Vorlage umgesetzt.

(vk)

Tess Parks – And Those Who Were Seen Dancing

Vier Jahre nach dem letzten Album erscheint im Mai das neue Album der Kanadierin Tess Parks. Bislang veröffentlichte sie drei Solo-Alben, die alle ein angenehmes 60s Flair und – durch die rauchige Stimme Parks‘ – eine charmante Kneipenstimmung hatten. So war es kein Wunder, dass die letzten beiden Alben nicht nur in Zusammenarbeit mit „Brian Jonestown Massacre„s Anton Newcombe entstanden, sondern gleich auch auf seinem Label A Records erschienen. 2022 hat sich Einiges geändert: Newcombe ist nicht mehr dabei, das neue Label der Wahl ist Fuzz Club und der erste zu hörende Song lässt erstmals vergleichsweise moderne Beats einfließen. Das könnte also spannend werden…

(vk)

Various – RadioNome…

1982 erschien der Sampler „radionome…“ in den Niederlanden. Bekannte Beiträge stammen von den „Nine Circles“, deren „twinkling stars“ darauf enthalten ist. Aber auch abseits der „Hits“ gibt es hier einiges zu entdecken wie „Van Kaye & Ignit“ oder auch „Cargo Cultus“. Der originale Sampler ist inzwischen recht gesucht. Zum Glück gibt es einige Reissues. Zu bestellen u.a. auch bei den „Nine Circles“ für relativ kleines Geld.

(vk)

Ruth – Polaroïd/Roman/Photo

Die französische Band „Ruth“ brachte in den 80ern eine LP und eine 7″ heraus. Danach geriet sie in Vergessenheit. Vor einigen Jahren wurden sie Dank des sowohl Single als auch Album Titel gebenden Tracks „polaroïd/roman/photo“ wiederentdeckt. Es folgten Remixe, Kollaborationen und Rereleases. Letztere waren schnell ausverkauft, sodass das Album selbst als Reissue schwer zu bekommen ist. Am 25. Feburar bringt das „Frustration“ Stammlabel Born Bad eine neue Vinyl Auflage heraus.

(vk)

Ritual Veil – Keep Looking Down

Die US-Band „Ritual Veil“ startete 2017 mit wavigem Postpunk – oder böse gesagt: Gotenrock. Seither ist das Quartett zum Duo geschrumpft, hat die Gitarren in die Ecke gestellt und den Pop entdeckt. Das Ergebnis ist eine neue EP, deren Tracks zwischen Italo und 80s Synths Pop zu verorten sind. Schöne Überraschung.

(vk)

The Soundcarriers – Wilds

„The Soundcarriers“ aus Nottingham veröffentlichten von 2009 bis 2014 drei Alben und eine Remix Platte. Das Projekt zeichnete sich durch eine gewisse Experimentierfreudigkeit zwischen den Polen 60s, Psychedelic, Tropicalia und Krautrock aus. Danach war es still um die „Soundcarriers“ geworden, und man glaubte gar an ihre Auflösung. Weit gefehlt! Zum Glück. Am Freitag erscheint nach acht Jahren Pause ein neues Album zunächst digital, im April dann als LP. Unbedingte Kaufempfehlung – nicht nur weil alle bisherigen Alben gesucht und teuer sind. Auf der Bandcamp Seite ist „wilds“ jedenfalls bereits ausverkauft…

(vk)