Linea Aspera – Preservation Bias

„Neues“ von „Linea Aspera“, dem beinahe schon legendären Cold Wave/Minimal Vorgängerprojekt von „Keluar“ und Zoé Zanias: Ende Juni erscheint auf Dark Entries eine Zusammenstellung mit Raritäten. Gerne sind Raritäten-Compilations ja eine üble Resteverwertung. Anders bei „Preservation Bias“. Das Album enthält ausschließlich bereits erschienene und teils sehr gesuchte Stücke. Im Einzelnen sind das die Tour Kassette „II“, vier Stücke von der limitierten, selbstitelten Kassetten EP von 2012 und ein Song von der Desire-Compilation „And You Will Find Them In The Basement“. Eine wirklich prima Platte, die einen „Linear Aspera“ wieder schmerzlich vermissen lässt.

(vk)

Lucille Furs – Another Land

Habt Ihr auch manchmal Lust, Euch in wunderbaren 60er Melodien zu verlieren, die sich so unwahrscheinlich authentisch nach britischen Psych von 1967 anhören? Dann hab ich genau das Richtige für Euch: Die aktuelle „Lucille Furs“ ist genau so eine Platte. Zwar stammen die drei Herren aus Chicago, Illinois und kennen die 60er ganz sicher nur vom Hörensagen. „another land“ könnte aber auch von „July“ oder den alten(!) „Nirvana“ stammen und aus dem Jahr 1967 direkt zu uns gebeamt worden sein.
Wunderschöne Melodien, vielschichtige Arrangements und skurrile Ideen verbinden sich zu einem wunderbar, sommerlichen Ganzen. Ganz bestimmt die beste Veröffentlichung des Genres in diesem Jahr!

(vk)

Billy Childish – Punk Rock Ist Nicht Tot

Billy Childish war es nie vergönnt, in der ersten Reihe der Punk Superstars zu stehen. Dabei war der Brite von Beginn an seit 1977 dabei und veröffentlichte mit verschiedenen Bands („The Pop Rivets“, „The Milkshakes“, „Thee Headcoats“, „The Buff Medways“ uva.) über die Jahrzehnte stets qualitativ großartigen rumpeligen Punk mit feinem, politischen Geist. Nein, das prollig-bierselige war nie Sache des kauzigen Billy Childish, der neben der Musik noch als Schriftsteller und Künstler tätig ist und sogar inzwischen seinen Fokus auf die Kunst verlegt hat.
Das hindert den guten Mann mit seinem charakteristischen, buschigen Schnauzbart nicht daran, auch weiterhin regelmäßig Platten zu veröffentlichen. Der Garagensound hat bis heute eine unglaublich mitreißende Energie. Bei dem Kauf einer Billy Childish Platte kann man eigentlich nichts falsch machen. Einziger Kritikpunkt: Auf Dauer ist die Musik vielleicht etwas redundant.
Legendär ist die Geschichte, dass seine Anti-Thatcher Hymne „thatchers children“ angeblich zufällig genau am Todestag der Eisernen Lady erschienen sein soll. Oder auch Childishs geradezu störrische Haltung gegenüber Auftritten: Selten sieht man ihn auf der Bühne und wenn, dann sollte man sich auf sein mürrisches, bisweilen schlecht gelauntes Gemüt einstellen. Trotzdem oder gerade deswegen sind Billy Childish Auftritte immer ein Erlebnis.
Quasi zur Selbsterinnerung veröffentlicht er nun eine drei LPs umfassende Werkschau mit dem Titel „punk rock ist nicht tot“. Nein, wenn er so gespielt und gelebt wird, ist Punk Rock ganz sicher nicht tot!

(vk)

Ti-Tho

Das Hamburger Duo „Ti-Tho“ veröffentlichte von 1982-1985 vier Singles. Ihr Minimal entwickelte sich in der Zeit zu opulentem Synthie Pop. Für den großen Erfolg reichte das wohl nicht. Vermutlich dürfte das auch der etwas aufdringlichen Stimme Christina Marisa Calcagnos geschuldet sein. Die kann über mehrere Stücke hinweg etwas anstrengend werden. Dennoch sind gerade auf der ersten beiden Singles „traumtänzer“ und „elefantenjäger“ echte Dancefloor Hits dabei. 2015 gab es bereits eine Zusammenstellung auf Vinyl on Demand. Die ist aber inzwishen ausverkauft, sodass sich hier vielleicht ein Rerelease der Singles anbieten würde.

(vk)

Der Moderne Man – 80 Tage Auf See

Die Hannoveraner Band „Der Moderne Man“ findet sich nicht ohne Grund mit ihrem Track „blaue matrosen“ auf unserem Sampler „sowas von egal„. Besagter Song findet sich wiederum auf dem zweiten Album „unmodern“. Ihren schon legendären Ruf konnten sie aber bereits 1980 mit ihrem Debüt „80 tage auf see“ begründen, das sich noch weniger ausgefeilt zwischen Punk und Postpunk verorten lässt. Den DIY Spirit hört man in jeder Minute des Albums.
Passend zu ihrem Reunion Konzert in Hamburg (das natürlich sofort ausverkauft war) erscheint „80 tage auf see“ neu auf Vinyl.

(vk)

The Police – Everyone Stares (Film)

An dem britischen Trio „The Police“ führt nicht nur kein Weg vorbei, wenn man eine anständige (Post-)Punk Sozialisation hat, sondern auch dann nicht, wenn man Radio hört, Sänger Sting kennt und schätzt. Obwohl gerade Sting mit Punk nie wirklich was anfangen konnte, waren sie eine der wegweisenden Bands des Genres Ende der 70er und entwickelten sich zu Stars, die Stadien füllten und am Ende Radiopop machten.
1978 kaufte sich Schlagzeuger Stewart Copeland eine Super 8 Kamera, nahm sie fortan fast immer mit und drehte in allen passenden und unpassenden Momenten. Dabei sammelten sich bis 1981 Unmengen an Material an. Aus diesem Material stellte Copeland einen Film zusammen, der nun erstmals digital auf DVD und Bluray erscheint.
Der Film ist ziemlich genau so, wie man es sich vorstellt: Teils recht wackelige Super 8 Aufnahmen werden bisweilen etwas hektisch aneinander geschnitten. Unterlegt wird das Ganze mit unterhaltsamen Kommentaren Copelands. Was zunächst etwas anstrengend erscheint, beginnt einen nach einer kurzen Weile zu fesseln. Tatsächlich faszinieren die intimen Einblick in das Bandleben, die übrigens auch mit Ton sind – nicht selbstverständlich bei Super 8 Filmen.
So gibt es Konzerthallen, Konzerte, Fotosessions, Studios, Videodrehs, Autogrammstunden, Flughafenaufenthalte, schreiende Fans um das Auto zu sehen – und das alles aus Perspektive des Künstlers selber.
Dabei ist es erfreulich, dass sich Copeland um eine gewisse Chronologie bemüht. So erschließt sich beim Betrachten die Entwicklung von einer kleinen Band, die in Clubs auftritt, bis hin zur Stadien füllenden Supergroup.
Dazu gibt es noch allerhand Bonus Material inklusive einiger Live Songs, die von hinter dem Schlagzeug aufgenommen wurden. Tatsächlich erhält man dadurch einen ganz anderen Blick auf Konzerte.
Insgesamt ist Copeland mit „everyone stares“ eine überraschend mitreißende Doku über das Bandleben der späten 70er und frühen 80er gelungen. Nicht zuletzt dank seiner liebevollen Herangehensweise.

(vk)

Der Debile Rest ‎– Monostadt

Eine der Bands, die unglaublich authentisch nach frühem 80er Minimal klingen, waren „Der Debile Rest“, von denen es leider auch nur eine auf 100(!) Exemplare limitierte 7″ von 2010 gibt. Die soll bei Discogs inzwischen um die 80 Euro kosten. Da wünscht man sich doch eine baldige Wiederveröffentlichung, zumal die Tracks auch nicht digital zu finden sind.

(vk)

Störung – The Art Of Combining

Das Duo „Störung“ war in den frühen 80ern aktiv und brachte es auf einige Singles und ein Album. Das Album wurde wiederveröffentlicht und die 7″ „europe calls“ entwickelte sich zu so etwas wie einem Hit. Rauher, aber durchaus tanzbarer Minimal trifft hier auf eine wavige Gitarre.
1983 wurde noch ein halb offizielles Tape veröffentlicht: „The Art Of Combinig“. Das war zwar live aufgenommen worden, klingt aber eher nach energetischen Studio Aufnahmen. So finden sich darauf Tracks vom Album und den Singles. Die Versionen unterscheiden sich aber teilweise erheblich. Da die Qualität überraschend gut ist, würde sich hier eine Wiederveröffentlichung auf LP oder CD anbieten; denn auf dem Sampler „distant waves II“ findet sich bereits die hörenswerte Live Version von „europe calls“. Der Anfang ist gemacht.

(vk)

Mort Garson – Mother Earth’s Plantasia

Mort Garson war ein Klangtüftler der ersten Stunde. Er schrieb, produzierte und arrangierte Musik. Synthies und Sounds spielten dabei immer eine zentrale Rolle. Legendären Ruf erlangte er durch das Album „The Zodiac“ „cosmic sounds“, einem Projekt, wo neue musikalische Wege beschritten werden sollten, zu denen dann Texte über Sternzeichen gesprochen wurden.
In den 70er Jahren nahm er eine fantasievolle Platte zu Beschallung von Blumen(!) auf: „mother earth’s plantasia“- ein instrumentaler, spaciger Tripp durchs All möchte man meinen. Was das wohl mit den Blumen macht?
Das Original dieser Platte genießt jedenfalls Liebhaber Status und ist entsprechend teuer. Im Juli erscheint das Album auf Sacred Bones nun endlich neu.

(vk)

Juan Wauters – Introducing Juan Pablo

Juan Wauters ging bis zu diesem, seinem vierten Album an mir vorbei und das, obwohl er auf dem hippen Label Captured Tracks veröffentlicht. Die neue Platte ist eine ganz persönliche Reise geworden, hin zu den eigenen Wurzeln in Uruguay. Dank der rauhen Produktion und der Vermengung von Folk und traditioneller Musik weckt „introducing juan pablo“ Erinnerungen an 60er Tropicalia oder auch an Devendra Banhart. Schöne Platte, die wunderbar passt, wenn man im nun kommenden Sommer einfach nur im Gras liegt.

(vk)