Tyrnaround – Colour Your Mind

Die australische Neo Psych Band „Tyrnaround“ existierte von 1985 bis zum Tode ihres Sängers 1999. Sie galten als eine der wegbereitenden Bands der Neopsych Bewegung in den 80er Jahren. Ihr an britischen Psych mit deutlich Anleihen an frühe „Pink Floyd“ oder auch „July“ entfaltete sich am deutlichsten auf der Mini Lp „colour your mind“. Die ursprünglich nur vier Tracks umfassende Ep erscheint nun neu auf volle Albumlänge erweitert auf Guerssen. Mit dabei sind die Singles der Band. Der beigefügte Download enthält Demos und Unveröffentlichtes. Schönes Sache!

(vk)

STUMM433

Im Juli wurde bereits die Zusammenstellung „stumm433“ zum 40-jährigen Label Jubiläum von Mute angekündigt. Die Liste an beteiligten Künstlerinnen und Künstlern ist wahrlich beeindruckend. Die 5-LP Box ist aber nicht nur deswegen und wegen des Umstandes, dass 28 Designerinnen und Designer das Artwork gestaltet haben, besonders. Nein, die 58(!) Acts haben allesamt das John Cage Stück 4:33 interpretiert. Wie kaum anders zu erwarten, gibt es hier beinahe 58 mal überwiegend Umweltgeräusche von der Straße, aus dem Studio, dem Proberaum oder sonstwo zu hören. Wenige haben sich bemüht, dem Stück eine neue Interpretation abzugewinnen, wie etwa Michael Gira von den „Swans“, der leicht genervt die Sekunden mitzählt.
Spannend wäre dabei die Entstehung oder dazu gehörende Konzepte darzustellen, wie es etwa „Laibach“ in Form eines Videos gemacht haben.
Ob man dann diese Box wirklich im Schrank stehen haben muss, sei dahin gestellt. Die Idee ist aber überraschend und unterhaltsam zugleich. Natürlich hat die LP eine Auflage von 433 Stück.

(vk)

Fabienne Delsol – Four

Fabienne Delsol ist leider etwas in Vergessenheit geraten. In den späten 90ern konnte sie sich zunächst als Sängerin der Beat/Garagen-Band „The Bristols“ etwas Bekanntheit erspielen. Erspielen vor allem deswegen, weil die Band berüchtigt für ihre schrillen, authentischen 60s Auftritte war. Danach versuchte sich Delsol mit einer Solokarriere. Das erste Album konnte auch einigen Achtungserfolg verbuchen. Danach kamen noch drei Alben. Dann wurde es ruhig. Nach neun Jahren erscheint nun im Oktober ein neues Album, kurz „four“ betitelt (auch wenn es das fünfte ist). Zur hören gibt es noch nichts. Daher hier ein alter Song…

(vk)

Automatic – Signal

Da ist es nun also… nach zwei famosen Vorab-Singles stellt sich das Trio Automatic aus Los Angeles mit seinem Debutalbum „Signal“ vor! Und? Und? Und?
Was soll ich sagen, ich kann auf Albumlänge von 11 Stücken keine Abnutzungserscheinungen ihres reduziert gehaltenen Post Punk erkennen. Besonderes Merkmal bleibt, dass die drei jungen Frauen gänzlich auf Gitarren verzichten und stattdessen ihre Songs auf markanten Bassläufen, blecherndem Schlagzeug, arty-elektronischen Syntheffekten und markanten, mal geschmeidigen, mal wütenden spitzen Vocals aufbauen. Zusammen mit dem feinen Songwriting und der ein oder anderen gut sitzenden Hookline setzt sich das Trio mit seinem Sound gekonnt in Tradition von wegweisenden Bands wie Suicide, Slits, Flying Lizards und (wenn man einen moderneren Bezug herstellen möchte) entfernt frühere Le Tigre.
Saugut das, und für mich damit eine der Neuentdeckungen des Jahres!

PS: Funfact. Die Drummerin Lola Dumpé ist die Tochter von Kevin Haskins, Bauhaus & Tones on Tail Schlagzeuger…

(mf)

Sizike – Night Club 1985-86

Das Label Discom hat sich in letzter Zeit zu dem Rerelease Label großartiger 80er Synth Musik aus dem ehemaligen Jugoslawien schlechthin gemausert. Gerade noch kündigten sie ein Rerelease der Max Vincent Zusammenstellung inklusive der „Max & Intro“ Songs an, da legen sie mit einem echten Highlight nach: Die Band „Sizike“ dürfte Freundinnen und Freunden von Musik aus dem ehemaligen Jugoslawien bekannt sein. Eine Zusammenstellung einiger Stücke erschien auf Discom bereits 2016. Nun aber hat das Label ein unveröffentlichtes Album der Band gefunden, das für den internationalen Markt bestimmt war, jedoch nie erschien – bis jetzt. Die Musik ist wunderbarer Italo. Mehr braucht man dazu nicht zu sagen. Viel Spass!

(vk)

Rue Oberkampf – Christophe-Philippe

Endlich ist es soweit: Das lang ersehnte Debüt Album der Passauer Band „Rue Oberkampf“ erscheint Anfang Oktober. Ihr Song „camera“ ist ja schon so etwas wie ein moderner Klassiker geworden und gefühlt schon viele Jahre alt. Wie sich zeigt, war es gut, dass sich die drei Zeit für das Debüt gelassen und nicht der Erfolgs EP schnell ein Abum hintergeschoben haben. Man hört dem Album an, dass hier mit Bedacht versucht wurde, eben nicht einfach das eigene Erfolgskonzept zu kopieren, sondern neue Wege zu beschreiten. Wo die Ep sich noch deutlich am klassischen 80er Minimal orientierte, ist „christophe-philippe“ moderner und beinahe technoid, im Sinne von Aufnahme und Wiedergabe Releases. Das zeichnete sich ja schon bei dem vorab veröffentlichten Song „kalt“ ab und setzt sich überzeugend gerade in „im tunnel“ fort. „tokyo“ kommt dreamy daher und zeichnet distopische Soundlandschaften. „glycine“ könnt auch dem Marie Davidson-Frühwerk entstammen. Mit „deine worte“ gibt es noch einen Ausflug zu typischen früh-80er Minimal, nur um sich dann nach einer Minute in einen treibenden Dancetrack zu verwandeln und wieder zurück.
Das Warten auf „christophe-philippe“ hat sich gelohnt und übertrifft ganz locker hoch gesteckte Erwartungen. Das erhöht noch einmal mehr die Freude auf „Rue Oberkampf“s Hamburg Live-Debüt auf unserem Damaged Goods Festival „Geräusche für die Zwanziger“ am 2. November.

(vk)

(Sandy) Alex G – House of Sugar

Sandy Alex G aka Alex Giannascoli ist – trotz seines immer noch überschaubaren Alters von 26 Jahren – doch schon so etwas wie eine alter Hase im Musikbiz… seine erste Veröffentlichung stammt bereits aus 2010 und seitdem hat der hochbegabte und zu Recht gefeierte Multiinstrumentalist aus Philadelphia bereits mehr als eine Handvoll Alben veröffentlicht.
Und im Gegensatz zu vielen anderen musikalischen Wunderkindern, die sich auch heute noch irgendwo in den USA in ihren einfachen Lo-Fi Homestudios in ungezählten Songideen und Aufnahmen verlieren – und für die der unvergessene Loser Beck einst vielleicht so etwas wie die Blaupause gewesen ist – hat Alex G den Schritt raus aus seinem heimischen Schlafzimmer geschafft. Seit einigen Jahren bereits kooperiert er dafür mit dem renommierten großen Indielabel Domino Records… es ist erfreulich, dass er es auch mit seinem neuen Album „House of Sugar“ schafft, ein sehr fein ausgewogenes Verhältnis zwischen nerdigem Lo-Fi Songwriting und Habitus sowie einer gewissen marktkonformen Geschmeidigkeit und Angepasstheit zu finden. Verbesserte Produktion und vielschichtigere Arrangements treffen auf Songskizzen und unveränderten künstlerischen Freigeist, so in etwa…

(mf)

Black Marble – Bigger Than Life

Hui, nach zwei phantastischen Alben und – nun – drei Jahren Sendepause wird das neue Werk von Chris Stewart aka Black Marble für Ende Oktober angekündigt… und sollten die beiden bisher veröffentlichten Songs von „Bigger Than Life“ so etwas wie den musikalischen Rahmen vorzeichnen, so dürfte sich das Ein-Mann-Projekt aus Los Angeles noch mehr in Richtung Synth Pop Arrangements entwickelt haben. Zusammen mit seinem unverkennbar lakonisch-melancholischen Gesang könnte das eine ganz vortreffliche Entscheidung gewesen sein… wir sind gespannt!?

(mf)

Direct Action Response Team – Public Safety

Das großartige Projekt „Profit Prison“ ist derzeit auf Tour. Nebenbei scheint Parker Lautensleger auch noch Zeit für weitere Projekte zu finden. Wie zum Beispiel für „Direct Action Response Team“. Die Tracks der ersten EP wurden live und ungeprobt ohne Overdubs auf Tape improvisiert und danach vernichtet. Die Musik bewegt sich zwischen EBM, Minimal und Acid House, ist instrumental und sehr clubtauglich. Man kann den Sound zwischen Detriti und Aufnahme und Wiedergabe Releases verorten. Das auf Vinyl wäre wünschenwert. Bei der Qualität wird es das vermutlich auch bald geben.

https://directactionresponseteam.bandcamp.com/track/grievance-ii-our-thoughts-are-with-their-families

(vk)