Ibibio Sound Machine – Electricity

„Ibibio Sound Machine“ kommen aus London und sind seit 2014 aktiv. Das Kollektiv um die nigerianisch-stämmige Sängerin Eno Williams hat sich einer schrillen Mischung von afrikanischem Funk und Disco mit diversen Club und Elektro-Elementen verschrieben. Die ersten Alben konnten mich nicht so recht überzeugen. Auf dem soeben erschienenen „electricity“ aber arbeiten sie mit sägenden Synthie Sounds und Kraut Versatzstücken. Dabei kreieren sie etwas ganz undefinierbar-faszinierendes an Musik. Der Oberknaller, der sicher auch in jedem „düsteren“ Club funktionieren wird, ist der Opener „protection from evil“. Tanzbar und dazu Sprechgesang mit 80er Flatterhall. Großartig! Hört euch das mal an!

(vk)

R. Missing – Placelessness and Saturnining

„R. Missing“ kommt aus New York und ist solo seit 2017 aktiv. Bisher veröffentlichte sie eher gewöhnlichen Synth/Cold Wave Pop. Im Januar erschien jedoch ihre neue Ep „placelessness and saturnining„, auf der sie sich offenbar erstmals etwas mehr traut. Zwar stehen hier immernoch Synthies und Pop im Vordergrund. Aber dieses Mal benutzt sie skurrile Sounds und Ideen, sodass sie sich nun ein Plätzchen zwischen den „Chromatics“ und dem „Twin Peaks“ Sounddtrack gesucht hat. Leider umfasst die Ep nur zwei Stücke und je einen Remix. Da möchte man doch bitte bald mehr hören!

(vk)

Large Plants – The Carriers

Letztes Jahr als Gag mit der Coverversion von Madonnas „la isla bonita“ entstanden, hat sich aus dem Gag offenbar eine richtige Band entwickelt. „Large Plants“ bringen nun das erste Album heraus. „the carriers“ erscheint Ende April wie schon die 7″ auf Ghost Box. Klar sind die musikalischen Parallelen zu dem rockigen „la isla bonita“ da. Ansonsten nimmt sich „the carriers“ aber etwas mehr Psych Pop raus. Das jedoch funktioniert ganz hervorragend!

(vk)

Convex Model – Live In Session

Vor fast genau zwei Jahren erschien das zweite, sehr überzeugende Album „quantity of motion“ der griechischen „Convex Model“. Wave plus Postpunk plus verträumte Melodien hatte man so gut kombiniert lange nicht gehört. Um die Wartezeit auf das nächste Album zu verkürzen, haben sie nun eine Live Session zum name your price auf ihrer Bandcamp Seite veröffentlicht. Dabei sind alternative Versionen bekannter Stücke sowie Demos neuer Stücke. So wartet man doch gerne auf ein neues Album!

(vk)

Herr Schneidenbacher

Dank einer Facebook Unterhaltung habe ich erfahren, dass der Musiker „Sickdoll“ wohl tatsächlich noch aktiv ist. Vor etwa 15 Jahren konnte er sich mit seinem skuril-sperrigen Minimal einen beachtenswerten Ruf erspielen. In den letzten Jahren war „Sickdoll“ als „Herr Scheidenbach“ aktiv. Die Musik weist teilweise einen ambient-artigen Charakter auf, das alte Projekt hört man aber noch immer heraus. Schade, dass es hier keine physischen Releases zu geben scheint. Die Facebook Seite ist offenbar nicht mehr aktiv. Es bleibt die hörenswerte Soundcloud Seite.

(vk)

Legendary Pink Dots – The Museum Of Human Happiness

Über 40 Jahre ist das Kollektiv um Edward Ka-Spel bereits aktiv und kann auf so viele Releases zurückblicken, dass vermutlich sogar eingefleischte Fans den Überblick verloren haben. Obwohl die Ka-Spel über die Jahrzehnte immer für allmögliche musikalische Einflüsse offen gezeigt hat, war der rote Faden seiner Musik immer skuriler Darkpop, der von Ka-Spels prägnanter Stimme zusammengehalten wird. Das letzte reguläre, neue Album liegt inzwischen drei Jahre zurück (zwischendurch gab es live Alben und Compilations). „the museum of human happiness“ enthält gerade mit den ersten beiden Songs wieder richtig großartige Songs voller düsterer Melancholie. Allerdings findet sich auch hier – wie so oft auf „Legendary Pink Dots“ Alben – einiges an Stopfmaterial. Aber: Die starken Stücke überwiegen hier deutlich, sodass hier eine ganz klare Kaufempfehlung ausgesprochen werden kann! Danke an Jeff für den Tipp!

Als ob das nicht genug wäre, veröffentlicht Edward Ka-Spel nächsten Monat zusammen mit dem Ambient Duo „Motion Kapture“ ein neues Album. „anagramma“ ist die zweite Zusammenarbeit dieser Art. Es gibt keine Beats, dafür viele Synthies, die einen teilweise an den Stranger Things Soundtrack denken lassen. Das weiß zu berühren.

(vk)

Saâda Bonaire – 1992

Das arty Bremer Projekt „Saâda Boniare“ konnte durch die Zusammenstellung beinahe aller 80er Aufnahmen auf dem hippen Captures Tracks Label 2013 für einige Furore sorgen (selbst diverse Nachpressungen sind inzwischen vergriffen!). Vermutlich dürfte der Sound des Trios in der Art wohl auch einmalig sein. Discogs nennt das Disco World Music. Jedenfalls lieferten „Saâda Bonaire“ ein Gesamtpaket mit aufregend stylischem Design zur schrillen Musik. Der musikalische Kopf der Band Ralf Behrendt gab zu Protokoll, dass alle Aufnahmen der Band nach 1985 (sie existierte abgewandelt bis 1994) verloren gegangen seien. Nun aber hat sich laut Bandcamp Seite in der Verwandtschaft ein Tape mit Aufnahmen aus den frühen 90ern wiedergefunden. Das erscheint im Mai als Album unter dem Titel „1992“ – wieder auf Captured Tracks. Der erste Song daraus weist entsprechend 90er Einflüsse auf. Und doch hört man die Band deutlich heraus. Hört selbst:

(vk)

Sol Invictus – King & Queen

Wenn es um Neofolk geht, dürfte Tony Wakefords Band „Sol Invictus“ sicher als eine der Mitbegründer des Genres gelten. 1992 erschien mit „king & queen“ eines ihres stärksten Alben. Allerdings nur als CD. Gerade ist das Album nun erstmals auf Vinyl erschienen. Ein guter Grund, sich das Album wieder einmal anzuhören. Die Atmosphäre ist vermutlich einmalig: Traditioneller Folk trifft Pop und den prägnanten, immer leicht schiefen Gesang Wakefords. Gute gealtertes, schönes Album!

(vk)

Bauhaus – Drink The New Wine

Neues von den britischen Mitbegründern des Goth „Bauhaus“. Ganze 14 Jahre ist die letzte Neuveröffentlichung der Band her. Ein wenig schmunzeln musste ich schon bei dem Song Titel, da Sänger Peter Murphy nachgesagt wird, in den letzen Jahren mit Alkohol-Problemen zu kämpfen.

Und musikalisch? „drink the new wine“ ist ganz sicher kein Dancefloor Smasher, aber – und das fällt sehr positiv auf: Das Stück ist vertrackt und atmosphärisch so, wie man es sich von „Bauhaus“ wünscht. Etwas sperrig, düster, aber einfach „Bauhaus“. Einzig Murphys Stimme bereitet einem Sorgen: Weite Teile singt er gar nicht und wenn er denn doch singt, klingt die Stimme angeschlagen, brüchig und kraftlos. Andererseits unterstreicht das die Stimmung von „drink the new wine“. Das macht jedenfalls neugierig auf mehr.

(vk)

Broadcast – Maida Vale Sessions

Die sicher beste und interessanteste der drei gerade erschienenen „Broadcast“-Alben dürfte die Zusammenstellung der BBC Sessions sein. Da die Sessions aus verschiedenen Jahren stammen, kann man hier auch wunderbar die Entwicklung der Band von innovativen „United States Of America“ Epigonen mit hoch spannenden spacigen Sounds hin zu einer vollkommen eigenständigen Band, die offen für alles von Kraut bis hin zu modernen digitalen Soundscapes war, verfolgen. Es ist spannend zu hören, wie „Broadcast“ immer Raum für Abwandlungen ließen. Dabie ist besonders beeindruckend, wie sie stets die Balance zwischen Popsong und freien wie progressiven Elementen halten konnten. Und wenn es schon kein Live Album gibt, kann man hier zumindest erahnen, wieso die Band live so großartig war.

(vk)