Gal e Caetano Veloso – Domingo

Tropicalia ist ja schon längst nicht mehr hip, die entscheidenden Protagonisten sind ausgemacht. Dennoch war mir nicht bewusst (sicher mein Fehler), dass Caetano Velosos Debüt eine Zusammenarbeit mit Gal Costa war – noch vor seinem wegweisenden wirklichen Solo Debüt. Diese Platte mischt Velosos Musik mit Bossa im Stile von Astrud Gilberto und Streicherarrangements eines frühen Scott Walkers. Es gibt reichlich Reissues, so dass dieses Meisterwerk auch finanzierbar bleibt.

Oskarova Fobija

„Oskarova Fobija“ waren bzw. sind eine jugoslawisches Projekt. Discogs behauptet, dass es nur einen alten Song gibt, aber bei youtube gibt es zumindest noch ein weiteres Video. Genaues ist schwer herauszufinden. Nur so viel: Die Band brachte wohl in den letzten Jahren Stücke von eher dürftiger Qualität heraus. Aber die alten Songs sind großartiger 80s Minimal. Vielleicht tauchen da ja noch ein paar mehr Perlen auf und werden zusammengestellt – bitte aber ohne die neueren Stücke!

The Tempest – 5 Against the House

„The Tempest“ waren eine britische Band, die es 1984 auf nur ein Album brachte. „5 against the house“ überzeugt mit wavigem Postpunk. Interessant ist, dass hier Mark Refoy mitspielte, der später mit „Spacemen3“ und „Spiritualized“ große Erfolge feiern konnte. Mit dem späteren Drogensound der großen Bands hatten „the Tepmpest“ allerdings – wie gesagt – gar nichts zu tun. Songs wie „better and better“ sind richtige Wavehits. Nun gibt es erfreulicherweise ein Reissue des Albums inkl. CD.

Kim Gray – Perfume

Das Label Resurrection, das uns die „Outer Minds“ und eine frühe Single der „Night Beats“ gebracht hat, hat gerade das Debüt „perfume“ Album des Kanadiers Kim Gray veröffentlicht. Das kann sich mit seinem naiven Charme wirklich hören lassen. „MGMT“-Gesang meets John Maus und Neo-Psych. Das ist so nicht neu, aber selten so sympathisch. Ein bisschen länger hätte das Ganze sein dürfen. 25 Minuten sind doch eher eine EP…

Wand – Golem

Das Debüt der Band „Wand“ (wer denkt sich heute so einen Namen aus?!?) erschien auf auf „Ty Segall“s Label „God?“. Nicht zu überhören! „golem“ nun ist erst einmal ein Gitarrenalbum, das verstört. Damit hätten wir die sicheren Bestandteile abgesteckt. Alles andere lässt sich schwer beschreiben und schwankt zwischen Psych, großen Melodien, Glam, Lärm, Gitarrenwänden und ja, auch einfachem Rock. Eine Grundentrückt- bzw. verrücktheit durchzieht das ganze Album. Spannend!

Paul Weller – Wild Flower

Das zweite Album „wild flower“ des legendären Briten Paul Weller erscheint neu. Keine schlechte Idee, war dieser frühe Meilenstein des Britpop/Rocks doch inzwischen arg teuer geworden. Bleibt zu hoffen, dass es da mit den Folgealben weitergeht, die ja ebenfalls recht stolze Preise erzielen.

Enzo Kreft – Dark Matter

Enzo Kraft ist das Pseudonym des Belgiers Eric Vandamme, der in den 80ern zu den typischen Vertretern eines spannenden belgischen Tape-Minimal-Undergrounds gehörte. In diesem Jahr erschiene auf Walhalla eine empfehlenswerte Zusammenstellung.

Sixth June – Virgo Rising

Seit einiger Zeit war es ruhig geworden um das serbisch-stämmige Minimal-Synth-Pop Projekt „Sixth June“. Ihre einziges Album ist von 2010, ihre letzte ep von 2013. Letztes Jahr dann gab es einige Auftritt – u.a. auf der Gothic Pogo Party in Leipzig. Im Februar 2017 erscheint endlich auf „Aufnahme + Wiedergabe“ das neue Album „virgo rising“.
Der Vorabsong „night before“ klingt sehr nach Mitt-80er Radiomusik inkl. markanten Saxophon, weiß aber dank einer leicht verträumt-dunklen Stimmung dennoch zu überzeugen.

Liquid Orbit – Liquid Orbit

Freunde unterstütze ich immer gern. Umso lieber, wenn sie es einem wie die Bremer „Liquid Orbit“ mit ihrer ganz eigenen Mischung aus Psychedelic, Spacepop, Prog und allerlei Abwegigem so leicht machen. Heute erschien ihr Debüt. Bislang nur digital. Die musikalische Mixtur macht ihre Songs – oder besser: Tracks – unvorhersehbar, ohne dabei sperrig oder anstrengend rüberzukommen. Schönes Debüt!

https://liquidorbit.bandcamp.com/album/liquid-orbit

Tangible Joy – Movement

Für ihre Art Minimal Wave waren „Tangible Joy“ 1985 eigentlich etwas spät dran. Aber das tut der Qualität ihrer einzigen Veröffentlichung – dem 4-Track Tape „movement“ – keinen Abbruch. Auch dieses Tape mit seinen nur vier Stücken könnte doch wunderbar als 12″ wiederveröffentlicht werden.