Electric Party – Play / Work

„Electric Party“ war eine Amsterdamer Band, die nur kurz um 1982 existierte. Damals veröffentlichten sie lediglich das Tape „work“. Hier treffen 80s Minimal und Experimentierfreudigkeit angenehm aufeinander. Gerade wurde „work“ als Tape und digital wiederveröffentlicht. Gleichzeitig hat das Label Knekelhuis eine LP mit drei Tracks von „work“ und sechs bisher unveröffentlichten als „play“ veröffentlicht. Hier geht es etwas experimenteller zu. Beide Releases sind aber sehr spannend und eigenständig. Und da es kaum Überschneidungen gibt, lohnt auch die Anschaffung beider.

(vk)

Trees Speak – PostHuman

„Trees Speak“ ist ein Trio aus Tucson, Arizona. Die drei Herren brachten 2017 ihr Debüt heraus, um dann seit letztem Jahr richtig loszulegen: 2020 gab es zwei Alben und nun gerade ist mit „posthuman“ Album Nummer vier erschienen. Wo sich die ersten Alben etwas ziellos zwischen Krautrock und Experiment bewegten, scheinen sie auf dem Neuling angekommen zu sein. Das Artwork sieht schon sehr nach 70er Prog aus. Musikalisch vermengen sie Krautrock mit Prog und den Elementen soundlastiger Bands wie „Swans“ (zur „the seer“ Zeit) und „Motorpsycho“ („the death defying unicorn“-Phase). Großartig dabei ist, dass sie ihre instrumentalen Stücke kurz halten – keines überschreitet die 4-Minuten-Grenzen. Kein langweilendes, ausuferndes Rumimprovisieren. Stattdessen sind die spacig anmutenden Tracks auf den Punkt gelungen. Eine echte Überraschung dieses Album!

(vk)

Piano Magic – Writers Without Homes

Die wunderbarste „Zwischen-allen-Stühlen-sitz“-Band „Piano Magic“ hat seit 2016 kein neues Album mehr veröffentlicht. Stattdessen gab es einige Rereleases vor allem der Alben, die es bis dato nur als CDs gab. Gerade ist daher das 2002er Werk „writers without homes“ erstmals als LP erschienen.
Die spröde und im ersten Moment schwer zugängliche Musik entfaltet erst bei aufmerksamen Zuhören ihre Magie zwischen Folk und Experiment. Besonders hierbei ist, dass der Track „crown of the lost“ mit Vashti Bunyan angeblich Auslöser gewesen sein soll, dass die britische Folk Ikone sich über 30 Jahre nach ihrem letzten Release zu neuen Aufnahmen entschlossen hat.
Schön, dass es „writers without homes“ nun als LP gibt. Hoffentlich geht es weiter mit den Rereleases. Oder vielleicht auch mit etwas Neuem…?

(vk)

Dirge – Bodyforce / Area

„Dirge“ ist ein Ein-Mann-Projekt aus Sydney, Australien. Gerade ist die Debüt 2-Track EP digital erschienen. Dabei beruft sich Musiker auf klassischen EBM der späten 80er Jahre. „Dirge“s Tracks sind instrumental und würden auch prima zum Portfolio vom Aufnahme und Wiedergabe passen und in Berlins Clubs sicher nicht auffallen. Wo andere aber einfallslos wirken, wissen „bodyforce“ und „area“ durchaus zu überzeugen. Mal sehen, wie es hier weiter geht…

(vk)

David Wiffen ‎– David Wiffen / Coast To Coast Fever

Manchmal darf es auch Früh-70er Kitsch sein. Dann aber gerne so, wie ihn der Kanadier David Wiffen auf seinen beiden Alben „david wiffen“ und „coast to coast fever“ in den Jahren 1971 und 1973 veröffentlichte. Neben Folk fließen mal ein Sprenkler Country und auch orchestrierter Pathos ein. Ganz genau so, wie es der legendäre Scott Walker auf seinen Früh-70er Platten gemacht hat. Das alles hält eine tief-melancholische Sehnsucht zusammen. Mal was anderes, das aber ganz sicher verdient hat, gehört zu werden. Zumindest das selbst betitelte Album hat 2014 eine Vinyl Wiederveröffentlichung erfahren.

(vk)

Various – Somewhere Between: Mutant Pop, Electronic Minimalism & Shadow Sounds of Japan 1980-1988

Mit dem Titel dieser feinen Compilation ist eigentlich schon alles gesagt. Es treffen ambientartige Tracks auf Bubble-Gum-Plastikpop und Experiment. Die 80er hört man dabei freilich überdeutlich heraus. Jedoch bewegen sich sämtliche Tracks dennoch abseits gängiger 80er Klischees. Erscheint widersprüchlich, aber hört selbst. In jedem Fall kann dieser Zusammenstellung sicher eines nicht unterstellt werden, nämlich dass sie gewöhnlich ist.

(vk)

Les Clopes – Deu

deu“ ist das Debüt des französischen Projektes „Les Clopes“. Im Prinzip machen die fünf Herren eine Mischung aus Cold Wave und Post Punk, wenn da nicht diese Priese Pop und – von den Melodien her – Schlager wär. Der Gesang hat bisweilen wirklich was von typischem French Pop, bricht sich dann aber gerne wieder mit der Instrumentierung. Das kann man ihnen als Unentschlossenheit auslegen oder auch als die Suche nach einem neuen, eigenen Weg. Interessante Platte jedenfalls!

(vk)

The KVB – The Early Tapes

Drei Jahre liegt das letzte reguläre Album „only now forever“ des britischen Duos „The KVB“ zurück. In der Zwischenzeit hat sich Nicholas Wood seinem Projekt „Saccades“ gewidmet. Kat Day unterstützte ihn dabei und half zudem bei dem letzten Album ihrer Vorband „M!R!M„. Nun gibt es mit „early tapes“ nach dem Live Album „Live At La Cigale“ ein neues Lebenszeichen des Duos.
Hier bekommt man genau das, was der Titel verspricht. Interessant dabei ist, dass die Songs zwar auf späteren Alben erschienen sind, die Versionen aber sehr stark nach ganz frühen „always then“-Zeiten klingen. Mir persönlich gefällt das sehr gut. Weniger gut gefällt mir, dass die Platte zwei Wochen nach Erscheinen nur noch für 50 Euro zu bekommen ist… Dann muss wohl die digitale Version genügen.

(vk)

A Place To Bury Strangers – Hologram

Verrückt, das gleichnamige Debutalbum von „A Place To Bury Strangers“ jährt sich 2022 bereits zum 15. Mal und war Mitte der 00er Jahre -in seiner erbarmungslosen Konsequenz- eine wohltuende lange nicht gehörte Noiseattacke. Tatsächlich waren die Herrschaften um Kopf und Sänger Oliver Ackermann immer dann besonders gut, wenn sie ihren wüsten Gitarrenlärm mit einem melodischen Post Punk Popspritzer versahen. Und nach ein paar langweiligen Releases sind die New Yorker seit Ihrem letzten Langspieler „pinned“ wieder groß in Form. Nun geht es weiter, auf dem eigenen Label „dedstrange“ mit der angekündigten -nicht minder gelungenen- „hologram“ EP (VÖ 16.07.21).

(mf)