Virgin Tears – The Beauty Of Broken People

Hoppla, sehr nice! Virgin Tears sind ein Duo aus Hamburg und lassen aufhorchen mit ihrer ersten Veröffentlichung. Die „the beauty of broken people“ EP gefällt mit vier tanzbaren und eher minimal arrangierten Songs, die sich zudem mit schönen Melodien im Ohr festsetzen… Nachdem das ganze bereits seit August als digitale Veröffentlichung zu haben ist, wird es nun in Kürze auch ein Vinyl Release geben! Sehr gut! Wer an Bands wie „Schonwald“, „Linea Aspera“ und „Lebanon Hanover“ gefallen findet, dürfte auch mit „Virgin Tears“ seine Freude haben…

(mf)

Trust (TR/ST) – The Destroyer Part 2

Hinter Trust aka TR/ST verbirgt sich auch wieder so ein verdammt talentierter arty Freigeist… Robert Alfons aus Toronto (und beheimatet in Los Angeles) hat uns 2012 bereits sein Debut geschenkt. Ein wirklich tolles Album, welches aber so ziemlich das unansehnlichste Cover des Jahrzehnts mit sich brachte (schaut es euch an!).
Warum ich das erwähne? Nun, sähe man die Scheibe mit dem schlichten wie unvorteilhaften Frontbild im Plattenladen, mag man an vieles denken, aber nicht an eine Electropop Scheibe erster Güte! Man könnte auch sagen, das TR/ST damals wie heute eine gewisse Kompromisslosigkeit an den Tag legte, die man auch in seiner Musik wiederfindet. Der Kanadier will sich offenkundig auch bei seinen aktuellen Releases auf keine reine elektronische Spielart festlegen – wozu auch?! – sondern changiert eigenständig wie gekonnt zwischen verschiedenen Synth Subgenre. Nach „The Destroyer Part 1“ im Frühjahr wird nun der zweite Teil in die Läden kommen und man mag auch in dieser Releasepolitik die zuvor erwähnte Eigenwilligkeit wiederfinden, denn ganz klar, zwei Veröffentlichungen mit 16 Titeln hätte es aus Konsumentensicht nicht zwingend geben müssen. Auch auf Teil 2 finden sich zwar eine Handvoll gelungener Tracks – wobei auffällt, dass es hier eher sphärischer und downtempo zugeht, während Teil 1 doch ungleich electropoppiger und tanzbarer angelegt war – nur wäre diese künstlerische Vielfalt wohl auch auf einem Album zu verwirklichen gewesen! UND – wer TR/ST mag wird ohne Frage auch auf „The Destroyer Part 1“ und oder „Part 2“ seine Lieblingstracks finden…

(mf)

Jim Sullivan – Jim Sullivan / If The Evening Were Dawn

Jim Sullivan war zu Lebzeiten eine eher tragische Figur. 1969 nahm er ein wenig beachtetes Debüt auf, das trotz überragender Songs und einer großartigen Begleitung durch die legendäre Wrecking Crew unbeachtet blieb. Ein zweites Album floppte noch mehr – wohl auch, weil das Playboy Label, auf dem es erschien, als sehr verrucht galt. Ein drittes Album gab es, wurde aber nie veröffentlicht. 1975 verschwand Sullivan auf mysteriöse Art und Weise und ist bis heute verschollen.
2010 entdeckte das Label Light in the Attic das Debüt „u.f.o.“ neu, veröffentlichte es und verhalf dem Album zu spätem, aber höchst verdientem Ruhm. Es gilt heute als Referenz Album von durcharrangiertem Folk Pop der späten 60er. Nun endlich erscheint auch das zweite, selbstbetitelte Album neu, von dem es vor 2011 überhaupt gar keine Nachpressung in keiner Form gab.
Es ist sehr viel reduzierter und folkiger als das Debüt und reicht auch nicht an „u.f.o.“ heran. Aber es stellt trotzdem ein Gros der seither aufgenommenen, von bärtigen Barden eingespielten Folkpop Alben bei weitem in den Schatten.
Noch weiter reduziert ist das bislang unveröffentlichte „if the evening were dawn“: Sullivan spielte hier alle Songs allein mit seiner Akustik Gitarre ein, was die durch seine Stimme schon gegebene Ähnlichkeit zu Cat Stevens noch erhöht. Interessant dabei, dass diese Aufnahmen Sullivans Live Auftritten am nächsten kommen sollen. Die Stücke darauf finden sich teils zwar schon auf „u.f.o.“. Aber wegen der grundlegend anderen Versionen macht das gar nichts.
Schön, dass nun das komplette Werk des viel zu spät zu verdientem Ruhm gelangten Jim Sullivan nun wieder erhätlich ist.
Vielen Dank, Light in the Attic! Aber bitte überdenkt bei der Gelegenheit die sehr happigen Preise…

(vk)

Destroyer – Have We Met

Das letzte Album „ken“ des charmant wahnsinnigen und umtriebigen Musikers Daniel Bejart aka „Destroyer“ liegt schon zwei Jahre zurück. Nun wurde das neue Album „have we met“ für Januar angekündigt. Und wie immer erfüllt Bejar die an ihn gestellten Erwartungen, eben keine Erwartungen zu erfüllen. Seine Art zu singen, Songs zu arrangieren und zu präsentieren haben trotzdem eine Wiedererkennung. Bei den ersten Gesangspassagen weiß man sofort, dass er singt. Alles sehr verblüffend, aber wohl gerade deswegen faszinierend. Vermutlich dürfte der Begriff „Pop“ die am besten geeignete Klammer um Bejars Werk sein.
Und was erwartet uns 2020 von „Destroyer“? Bislang gibt es nur die Single „crimson tide“ zu hören. Die verbindet crooner-artigen Pop mit Pathos, elektronischen Flächen, 80er cineastischen Synth Sounds, nur um dann ab der Hälfte von einer flächigen Flangergitarre gebrochen zu werden. Das Ganze ist 6 Minuten lang – gefühlte 2.
Wenn das Album hält, was die Single verspricht, wird „have we met“ ein prima Jahreseinstieg!

(vk)

Box And The Twins – Zerfall

Inzwischen ist die Kölner Band „Box And The Twins“ auf ein Duo geschrumpft. Hört man das neue Album könnte man auch sagen: Auf die Essenz der Band geschrumpft. „zerfall“ ist ein großer Schritt nach vorne. Alle Tracks wirken reifer, ausgefeilter und vielseitiger als noch auf dem Debüt „everywhere i go is silence„.
Geblieben ist das Sphärische und Verträumte – wavig-shoegazige Gitarren und viel Hall. Dennoch erscheint der Gesang konkreter und nicht so sehr im Hintergrund. Die Single „the first dream“ deutet schon an, dass „zerfall“ bei aller Verträumtheit auch tanzbar ist. Das deutsche „dein herz schlägt noch“ könnte auch von „Lebanon Hanover“ stammen. Trotzdem geht der Ansatz hier weit über eine Kopie hinaus. „love song for a ghost“ gibt einem das Gefühl, dass man den Song schon lange kennt. Das liegt vielleicht an der Vielschichtigkeit, die eben auch viel Platz für Projektion zulässt. Dancefloor Highlight dürfte das düster, minimal arrangierte „ashes“ sein, das obendrein eine bestechende Gesangsmelodie hat. „frozen in time“ vermischt einen Flangerbass mit einer „Slowdive“-Leadgitarre und einmal Minimal-Pling-Pling-Keyboard – eine Mischung, die ausgesprochen gut funktioniert. Es geht weiter mit geschichtetem Gesang, einer Art Indie Pop Song in dreamy und dann der Titelsong: Düster, anklagend und kalt baut er sich langsam auf und scheint sich in kreisendem Gesang zu verlieren.
mit „zerfall“ haben uns „box and the twins“ einen wirklich hervorragenden Zweitling beschert, der sicher eines DER Alben des Jahres sein dürfte!

(vk)

Kim Gordon – No Home Record

Über Kim Gordon, ihre frühere Band „Sonic Youth“ und deren Bedeutung für die Musik braucht man wohl nicht viele Worte zu verlieren. Schon ganze 8 Jahre ist die Band bereits getrennt. Wo die drei früheren Mitstreiter nur bei anderen trommeln (Steve Shelley), bedeutungslosen Bluesrock machen (Lee Ranaldo) oder sich im eigenen Epigonentum ergehen (Thurston Moore), fehlte der große Wurf der vier ehemaligen „Sonic Youth“-er. Kim Gordon selber tourte und schrieb Bücher. Das war ok, aber zumindest die Musik war doch eher experimentell und anstrengend.
Das gerade erschienene Album „no home record“ ist dieser große Wurf, auf den alle Fans der Band gewartet haben. Gordon ignoriert hier ganz bewusst Genre- und Generationgrenzen. „Sonic Youth“-Gitarren sind zwar zu hören, aber wesentlich ist hier anderer „Sound“. Moderne Beats, die teils sogar Cloud Rap entliehen sein könnten, nur um dann gekonnt durch den Reiswolf gedreht zu werden, gehören ebenso dazu, wie eine insgesamt zeitgenössische Produktion. Kein gefühlsduseliges Baden im melancholischen Früher. Es geht voran. Das Ergebnis ist überraschend poppig und ganz bestimmt: innovativ! Große Platte!

(vk)

Memorias De Un Continente III

Das peruanische Label Infravox hat ja schon mit den ersten beiden Teilen der Sampler Reihe „memorias de un continente“ überzeugt und dürfte damit sicher nicht unwesentlich die Karrieren von Künstlerinnen und Künstlern wie „Stockhaussen“, „Neue Strassen“, „Balvanera“ und Werner Karloff vorangetrieben haben. Im Januar erscheint Teil drei der Reihe. Dabei sind wieder eine Menge (zumindest mir) unbekannte Acts aus ganz Südamerika. Dazu kommen bekanntere Acts wie „Stockhaussen“, „Werther Effekt“ und Kristal Ann.
Schöne Zusammenstellung, wenn man den bisher anhörbaren Schnipseln auf der Bandcamp Seite trauen kann.

https://infravoxrecords.bandcamp.com/album/va-memorias-de-un-continente-iii

(vk)

Ursula – Ursula

Zu dem noch recht jungen Projekt „Ursula“ aus Halle gibt es nicht viele Informationen. Das mag auch an dem etwas schwierig zu googelnden Namen liegen. Scheinbar ist das im Juni erschienene, selbstbetitelte Album die bislang einzige Veröffentlichung und ausschließlich digital erhältlich.
Die Musik ist eine angenehm zeitgenössische Version von Früh-80er-Gaga-Minimal. Als Eckpunkte ploppen da beim mir „Pisse“ (ohne Gitarren) und „Die Goldene Zitronen“ (weniger politisch) auf. Das macht viel Spaß, geht nach vorne und wird live sicher richtig super sein. Auf dem Dancefloor funktionieren „Ursula“ jedenfalls ausgesprochen gut. Vielleicht kommt ja doch noch ein physischer Tonträger?

https://ursula-ursula.bandcamp.com/track/der-f-hrer

(vk)

Glass Museum – Glass Museum

Das belgisch/schottisch/deutsche Trio „Glass Museum“ war 1982-1984 aktiv. Vermutlich hatten sie mit ihrer Musik bewusst versucht, erfolgreich zu sein. Zumindest lässt das die teilweise sehr gefällige Produktion vermuten. Das Ergebnis ist eine seltsame Mischung von 80er Chart Pop, Wave, Post Punk und Synth Pop. Völlig irre allein ihre Version des „Beatles“ Klassikers „day tripper„. So ungewöhnlich bis unbeholfen wie das Album erscheinen mag, hat es was Faszinierendes. Und da es meist auch noch günstig zu haben ist, kann man es sich auch einfach mal in den Schrank stellen.
Ach und der Hit „dumping cart motion“ soll ja auch nicht vergessen werden. Es gibt jedenfalls sehr viel teurere Platten, die weit schlechter sind.

(vk)

Kuruki

„Kuruki“ war eigentlich ein belgisches Fun-Soloprojekt, das ab und zu mit Musikerinnen und Musikern aufgefüllt wurde. Von 1981-1984 erschienen 5 Singles und ein Album. Musikalisch bewegt sich das Ganze in den Sphären, die man von belgischen Minimal-Bands jener Zeit erwarten würde. Nicht ohne Grund wird einem bei Discogs in dem Zusammenhang „Snowy Red“ vorgeschlagen. „Kuruki“ ist allerdings deutlich poppiger und eingängiger. Umso mehr verblüfft die Tatsache, dass nur eine Single und das Album wiederveröffentlicht wurden und eigentlich alle Releases noch problemlos erhältlich sind. Da sollten Freundinnen und Freunde von feinem 80er Minimal schnell zuschlagen!
Vor allem „crocodile tears“ und „just a cat“ sind echte Hits!

(vk)