Shirley Collins – Sweet England

Auch Shirley Collins kann auf eine bewegte musikalische Karriere zurückblicken. Die Künstlerin veröffentlichte 1959 ihr Debüt „sweet england“ und brachte bis 1976 regelmäßig Platten heraus, um sich dann vom Musikgeschäft zurückzuziehen. Es war „Current 93″s David Tibet, der sie in den 90ern wieder zu Aufnahmen für seine Band bewegen konnte. Es dauerte aber bis 2016, bis mit „lodestar“ wieder ein reguläres Album erschien. Es folgten noch zwei weitere. Das letzte 2023 „archangel hill“ – Collins ist darauf bereits 88! Im Spätwerk sind die Stücke eher düster und getragen von dem brüchigen Gesang. Anders das Frühwerk. „Sweet England“ gibt es nun erstmals seit 1987(!) wieder auf Vinyl. Collins Stimme klingt hier höher und ungestüm. Die Instrumentierung beschränkt sich auf ein Banjo und/oder eine Gitarre, was einen erst einmal an Irish Folk o.ä. denken lässt – aber weit gefehlt. Die emotionalen Stücke kommen mit einer Nachdenklichkeit daher, wie man es von Künstlerinnen wie Vashti Bunyan kennt, die aber erst knapp zehn Jahre später Platten aufnehmen sollte. Eine tolle (Wieder-)Entdeckung!

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Rose McDowall – Cut With The Cake Knife

Die Schottin Rose McDowall ist wahrlich eine besondere Künstlerin. Während sie in den 80ern mit der jangligen Popband „Strawberry Swithblade“ Erfolge feiern konnte, war sie gleichzeitig bei etlichen Underground Größen als Bandmitglied oder Sängerin mit dabei: „Coil“, „Death In June“, „Current 93“, „Nature And Organisation“, Alex Ferguson, „Nurse With Wounds“, „Psychic TV“ usw… Ein Soloalbum veröffentlichte sie tatsächlich erst 2004. „cut with the cake knife“ schien wie eine Fortsetzung von „Strawberry Switchblade“: Poppig und zusammengehalten von McDowalls prägnanten und nur scheinbar naiven Stimme. Entsprechend war die Platte schnell ausverkauft. 2015 gab es eine Neuveröffentlichung, die auch schnell vergriffen war. Nun gibt es gleich zwei Wiederveröffentlichungen auf Vinyl. Dringende Empfehlung!

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Jonathan Bree – Don’t Call It Love

Der Australier Jonathan Bree hat sich für sein neues Album drei Jahre Zeit gelassen. Es ist auch das erste Album seit dem Durchbruch-Album „sleepwalking“, auf dem er nicht mit seiner auffälligen Gesichtsmaske abgebildet ist. Stattdessen wird ein erotisch stilisiertes Foto aus dem ersten Video „live to dance“ auffällig in Szene gesetzt. Damit ist das Thema gesetzt, denn auf dem neuen Werk geht es um Sexualität. Die sorglos-poppigen sowie elektronischen Ausflüge vom letzten Album hat Bree wieder hinter sich gelassen. Er findet vielmehr wieder zu frühere Stärke zurück und klingt hier und da sogar nach Triphop. Bemerkenswert ist, dass auf „don’t call it love“ nicht nur – wie schon öfter – Princess Chelsea gesanglich unterstützt, sondern dass sie das bei gleich drei Stücken tut und zudem noch drei weitere Gastsängerinnen ihre Stimme beisteuern. Das (Doppel-)Album umfasst 17 Tracks und lässt dem Künstler dadurch reichlich Platz für Entwicklung. Das soundtrackartige Album weiß nach dem – für meinen Begriff – etwas zu gewöhnlichen letzten wieder zu überzeugen.

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Martial Canterel – Walls Undentified

Endlich wieder ein richtiges neues Album des Synthie Masterminds Sean McBride aka „Martial Canterel“, der mit seinem kühlen Synthwave seit nunmehr über 20 Jahren für ein ganzes Genre nicht weniger als stilprägend ist! In den letzten Jahren fokussierte er sich mehr auf seine Band „Xeno & Oaklander„, veröffentlichte mit dem Projekt Alben und tourte. 2021 gab es einen eher schwachen Soundtrack und das war’s seit 2020. Und auf einmal „walls undentified„. Hier findet McBride wieder zu alter Stärke zurück und klingt wie ein Modular Update seines eigenen Frühwerks. Natürlich wird er nie wieder so klingen wie in Zeiten, als er mit Synthie und Sequencern unterwegs war. Seit gut zehn Jahren arbeitet McBride mit Modular Synthies, was freilich direkt Einfluss auf das Klangbild hat. Aber nun spielt er wieder mit den leichtfüßig-beiläufigen Melodien, die seine Musik so einzigartig machen. Starkes Album, das es einen unmöglich macht, einen Track herauszuheben. Durchhören!

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Opéra De Nuit – Opéra De Nuit

Eine kleine Sensation zeichnet sich Ende des Monats bei dem Label Dark Entries ab: Es wird eine Doppel LP mit den zwei EPs und dem Albem der französischen Cold Wave Legende „Opéra De Nuit“ geben! 1982 gründete sich die Band, schuf beinahe beiläufig großartige Musik und veröffentlichte die anschließend selber bzw. auf einem kleinen Label. Beide EPs und das Album, die bis 1988 erschienen sind selten und kaum in brauchbarem Zustand zu bekommen. Nun also wird es das Komplettwerk da Band als Doppel LP geben. Unbedingte Kaufempfehlung allein für die Übersongs „annabella“ und „amour noir„.

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Various – Dressed In Black – Goth Divas From The Dark Side 1941-2025

Ok, Artwork und Titel erfüllen einige Gothic Klischees… Aber damit sollten man diese spannende Zusammenstellung nicht abtun! Denn schon die Jahre – beginnend 1941 – deuten an, dass es hier nicht um eine Klischeegrufti Platte geht. Natürlich sind einige zu erwartende Acts dabei wie „Siouxsie And The Banshees“, „Diamanda Galas“, Lydia Lunch oder auch die „Cramps“. Aber dann auch: Anita Lane, Juliette Greco, Nina Simone, Shirley Collins und Judy Henske. Wirklich gelungene Mischung, wenn auch einige der Künstlerinnen nur bedingt zum Titel passen wollen…

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Project Pitchfork – First Anthology

Gearde haben „Project Pitchfork“ ihr gesuchtes Debüt Album auf Vinyl wieder-veröffentlicht, da schieben sie im Oktober die Compilation „first anthology“ nach. Die 31 Tracks erschienen erstmals 2011 als CD und digital. Nun wird es ein Dreifach-LP(!) geben. Zu hören gibt es frühe Singles etc. der Band, die entweder CD only waren und/oder gesucht sind. Mit dabei auch:

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Upupayāma

Das italienische Ein-Mann-Projekt „Upupayāma“ ist seit 2020 aktiv und macht weitgehend instrumentale Musik zwischen psychdelischen Improvisationen, spannenden Kompositionen, Fuzz-Gewaber und anrührenden schönen Melodien. Das kennt man natürlich von unzähligen Bands. Aber selten gelingt das so gut wie hier. Gerade auf dem vorletzten Album „mount elephant“ funktioniert das richtig gut. Ein bisschen Kumbia Anleihen hör ich hier und da auch noch raus. Das macht „Upupayāma“ angenehm vielseitig.

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November Növelet – All Your Love

„November Növelet“ – bzw. das Alter Ego des Duos „Haus Arafna“ – sind schon besonders. Ihre Musik ist stilprägend. Konzerte spielen sie pauschal gar nicht. „November Növelet“ ist dabei die poppigere Seite des Duos – wenn man bei dieser Musik überhaupt von Pop reden kann. In über 30 Jahren Bandgeschichte sind bisher erst vier Alben erschienen. Alle sind für sich Meilensteine, die auf beklemmende Art ihre Zeit widerspiegeln. Zuletzt erschien im letzen Jahr „electrical„. Da verwundert es, dass sie für ihre Verhältnisse so schnell eine neue Single vorlegen. Und nicht nur das verwundert, sondern auch die Musik selber; denn gerade die B-Seite der Single „cry today“ gibt sich erstaunlich eingängig. Schön, dass sich eine so besondere Band auch nach so langer Zeit noch weiterentwickelt!

https://www.instagram.com/reel/Dasyx8eDmNG/

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Martin Hall – Catalyst (Singles)

Dieses Release hat schon einige Jahre auf dem Buckel. Allerdings ist – während alle Welt „Kavinsky“ und Glen Hansard betrauert – weitgehend unbemerkt am selben Tag auch der visionäre dänische Musiker Martin Hall verstorben. Grund genug, an sein Schaffen zu erinnern. Ursprünglich aus der Punkszene stammend, entwickelte er früh einen elektronischen und gleichzeitig arty Musikansatz. Er war stets umtriebig und auf der Suche nach Inspiration. So überrascht es wenig, dass er an über hundert teils sehr verschiedenen Releases beteiligt war. Das bekannteste Stück dürfte sicher „SS Say“s seltsam entrückter Synthtrack „care“ sein. Die 2008 erschienene Zusammenstellung „catalyst (singles)“ liefert einen guten Überblick über das Schaffen des Künstlers. Der Opener erinnert fast an „Iron Maiden“! Gefolgt von dem Dancefloor Filler seines Projektes „Under For“: „free-force structure“. Hier hört sich Hall nach EBM an. „beat the drum“ ist beinahe gewöhnlicher Mid-80s Pop. „love in vain“ geht in Richtung Acid. Was aber allen Stücken innewohnt ist eine gewisse Zerrissenheit und Sehnsucht. Das mag auch am an „Associates“ erinnernden Gesang liegen. Man sollte sich aber hüten, Hall vorschnell in eine Schublade zu stecken… Spannender Künstler, der viel zu früh von uns gegangen ist…

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