Cindy

Bemerkenswert, dass sich eine Band, die 2018 ihr Debüt veröffentlichte, allen Ernstes den Namen „Cindy“ gibt. Das Debüt Album ist obendrein selbstbetitelt. Offenbar will das Qartett um Sängerin Karina Gill – nein, nicht Cindy! – keine Platten verkaufen. Anders kann man sich eine solche Bandnamenwahl im Internet Zeitalter nicht erklären.
Zum Glück habe ich sie dennoch finden können; denn „Cindy“s Musik ist besonders. Sie bewegt sich zwischen DIY Lo-fi Sound von „Beat Happening“, Twee Pop, zartem Indie Pop und stellenweise Nico! Wo der Sound auf dem Debüt noch sehr Lo-Fi war, ist er auf dem neuen Album „free advice“ etwas ausgereifter und macht es zu einer bemerkenswert schönen Neuentdeckung!

(vk)

Carlo Onda – Souleater

Ob als „Karl Kave“ oder „Carlo Onda“: Der Schweizer Carlo Reinolter hat es geschafft über unzählige Release in kürzester Zeit hinweg, seine eigene musikalische Identität zu entwickeln. Kein Act klingt wie er. Klar macht er immer Synthie Pop in weitestem Sinne. Klar spielen die 80er und Minimal eine große Rolle. Dann kommt aber diese spröde Sperrigkeit, die er mit einer undefinierbaren Melancholie vermengt, hinzu. So auch auf dem gerade erschienenen neuen Album „souleater“ – diesmal unter dem Moniker „Carlo Onda“. Wieder ändert er gewisse Kleinigkeiten, sodass sich „souleater“ von den bisherigen Releases abhebt. Wie immer gut!

(vk)

Absolute Body Control – Earth Takes A Break

Das legendäre belgische Band „Absolute Body Control“ ging im letzten Jahr dankenswerterweise die Wiederveröffentlichung ihrer Wiederveröffentlichungen aller Aufnahmen aus den 80ern an und brachte die gesuchte Box „tapes 81-89“ wieder heraus. Das letzte reguläre Album der Minimal-Synth-Waver ist aber bereits über zehn Jahre alt. Auch das erfuhr eine digitale Wiederveröffentlichung.
Zum Jahreswechsel überraschten sie mit einem durchaus gelungenen Track, der zwar keine großen Überraschungen bereit hält, aber auf gewohnt hohem Niveau wandelt. Ob da noch mehr kommt…?

(vk)

Kraków Loves Adana – Darkest Dreams

Manchmal machen mir die Algorithmen von Social Media Plattformen Angst: Nämlich genau dann, wenn sie einem etwas vorschlagen, was wirklich passt. So geschehen mit „Kraków Loves Adana“ aus Hamburg(!). Das mir bislang nicht bekannte Duo veröffentlichte bereits 2010 ihr Debüt. Damals waren die beiden noch deutlich gitarriger unterwegs und spielten eine Art dunklen Indie Pop.
Das im September erschienene neue Album „darkest dreams“ bedient sich erstmals deutlich mehr aus der elektronischen Kiste und mischt Cold Wave mit Elementen von Post Punk und Vaporwave. Als Ergebnis gelingt den beiden ein eigenständiger und unbedingt hörenswerter Entwurf dieser Genres. Schöne Entdeckung!

(vk)

Black Angels – Live At Levitation

Die Neopsycher „Black Angels“ dürften eine der besten aktiven Bands des Genres sein und wurden spätestens als Soundtrack Lieferanten für die Serie True Detective auch einem breitem Publikum bekannt. Dabei haben sie sich aber trotzdem nicht von ihrem musikalischen Weg abbringen lassen und haben glücklicherweise nicht versucht, wegen des Erfolges ihre Platten gefälliger zu gestalten.
Ihr letztes Album ist leigt nun schon fast vier Jahre zurück. Im Dezember veröffentlichte Sänger Alex Maas eine Solo Platte. Nun könnte aber auch mal wieder ein neues Album des „Black Angels“ kommen. Umd die Wartezeit zu verkürzen und sich wieder in erinnerung zu bringen, veröffentlicht die Band aus Austin, Texas im März ein Live-Album.
Das wird sicher lohnenswert sein, was jede/r bestätigen wird, der/die die Band einmal live gesehen hat. Offiziell zu hören gibt es noch nichts, sodass ich auf (durchaus passable) Publikumsmitschnitte zurückgreifen muss:

(vk)

John Carpenter – Lost Themes III: Alive After Death

John Capenter dürfte vor allem als (Horror-Film-)Regisseur, aber auch wegen seiner Soundtracks hinlänglich bekannt sein. Seit einigen Jahren hat er seinen Fokus auf die Musik gelegt. Am 5. Februar erscheint sein neues Album „lost themes III: alive after death“ – ein Soundtrack für Filme im Kopf. Kopfkino!
Das, was es da zu hören gibt, bewegt sich zwischen Vaporwave und Carpenters Soundtrack-Musik. Das bestätigen die beiden bisher erschienenen Singles „the dead walk“ und „wheeping ghost„. Nun ist gerade der dritte Song „alive after death“ erschienen. Insgesamt stellt sich schon die Frage, ob man nach den Unmengen an Vaporwave der letzten Jahre diese Platte wirklich braucht. Wer den Sound aber liebt, wird auch „lost themes III“ lieben.

(vk)

June – Horizons

Tsampikos Fronas aka „June“ veröffentlichte letztes Jahr auf Mannequin das Album „silver demons„, auf dem er sich im Gegensatz zu seinen früheren Veröffentlichungen etwas mehr gen Experiment und Clubsounds bewegte. Kein Jahr später veröffentlicht er mit „horizons“ eine neue 6-Track Ep. Dabei steht nun wieder klassischer, instrumentaler 80er Minimal-Synth im Mittelpunkt. Das gelingt „June“ so erfrischend, dass „horizons“ noch mehr Spass macht, als das letzte Album. Schöner Einstieg in das noch frische Musikjahr 2021!

(vk)

Momus – Vivid

Der schrullige Brite „Momus“ aka Nicholas Currie veröffentlicht gefühlt immer Musik. Und das seit dem Debüt 1986. Inzwischen hat er es auf über 30 Alben gebracht – und da sind diverse Projekte noch nicht mitgezählt! Seine Musik ist im weitesten Sinne Pop. Mal elektronisch, mal akustischer. Und egal, wie er seine Platten instrumentiert: Sie haben stets ein Flair von Songwritertum. Vermutlich ist das Curries Sprechgesang geschuldet.
In den letzten Jahren hatte ich „Momus“ aus den Augen verloren. Heute stieß ich Dank eines Facebook Freundes auf das bereits im Juli erschienene Album „vivid“. Hier gibt sich „Momus“ überraschend orchestral. Dabei können die ersten beiden Stücke aufgrund des Arrangements als Hommage an Steve Reich oder ähnliche moderne Komponisten verstanden werden. Danach geht es gewohnt zwischen Pop, Indie und spinnerten Ideen weiter. Bedauerlicherweise gibt es „vivid“ ausschließlich auf CD! Nicht digital, nicht auf Vinyl.

(vk)

Hipnosis – Droid

Die Italo Band „Hipnosis“ oder auch „Hypnosis“ ist nicht nur wegen ihrer gelungenen Cover Version des Vangelis Klassikers „pulstar“ interessant. Auch das Drumherum ist spannend: So mischten laut Discogs bei dem Projekt Mitlgieder von „Koto“ und „Kirlian Camera“ mit.
1984 erschien ein selbstbetiteltes Album mit 9 Tracks, das die meisten einzeln als EP erschienenen Stücke umfasst. Von daher eine lohnende Investition, zumal die Platte bisher noch nicht teuer ist.
Die EP „droid“ erschien 1987 und findet sich nicht auf dem Album. Gerade der Titel-Track ist aber wunderbar. Tipp!

(vk)

Graphic Latin

Viel gibt es nicht über „Graphic Latin“ zu erfahren – außer, dass der Act offenbar aus Indonesien stammt. Bislang erschien eine Ep und einzelne Tracks digital. Im November veröffentlichte dankenswerterweise das Label Mangel aus Berlin die EP auf 7″ und machte sie damit hierzulande problemlos verfügbar.
„Graphic Latin“ machen typischen Früh 80er DIY Minimal/Synthwave Sound inklusive starkem Bandrauschen sowie Brummen und übersteuerter Abmischung. Charmant und dringend empfohlen!

(vk)