Görl – Dark Silver Moonlight

Im Leben von „DAF“s Robert Görl passieren so einige bewegende, prägende Ereignisse. Zuletzt 2020, als Görls „DAF“-Mitstreiter Gabi Delgado verstarb. In einer Zeit, als die Band nach Jahren Pause wieder erfolgreich auf Tour war. Das verarbeitete Görl mit dem wohl als Abschiedsalbum zu verstehenden „nur noch einer„. Das ist nun fünf Jahre her und hinter dem Namen „Görl“ verbirgt sich nun ein Duo. Neben Görl DJ Sylvie Marks. Laut Info ist „dark silver moonlight“ direkt Ergebnis der kreativen Partnerschaft der beiden. 10 Tracks, denen eine aufregende Dringlichkeit innewohnt. Das zeigte schon der Vorabsong „irgendwann ist jetzt“, das sehr an das erste Solo Album von Robert Görl erinnert. „falscher ton“ klingt dann schon fast wie die guten alten „DAF“ in ihrer Hochzeit. Damit sind die beiden aber längst nicht Ende ihres kreativen Universums angekommen. In „don’t stay at home“ singt Görl geradezu verträumt. Überrraschender Track! „der fluss“ mutet technoid an, nur um von einem klassischen „DAF“ Track abgelöst zu werden. Am stärksten wird das Album jedoch zum Ende hin, wenn etwas kruder wird. Dissonanz und Melancholie schließen sich da nicht aus. Der Bezug in die Vergangenheit wird dabei bewusst gepflegt. Das verrät schon das Video zu „irgendwann ist jetzt“. Das hier ist sicher eines der besten Görl Releases seit vielen Jahren. Tipp!

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Widowspeak – Roses

Im Juni erscheint das neue Album „roses“ des New Yorker Duos „Widowspeak“ – ihr erstes seit 2022 und das insgesamt siebte. Gerne werden sie mit den übergroßen „Mazzy Star“ verglichen. Die Richtung stimmt zwar, aber eine Reduzierung darauf tut ihnen Unrecht. Die Dreampop Strukturen sind ähnlich fragil. Aber positiver. Auf „roses“ geben sich die beiden geradezu hoffnungsvoll. Dazu etwas Americana Sound und Twin Peaks Vibe und fertig ist das gelungene Album!

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Arab Strap – Half-Told Tales

Das schottische Duo „Arab Strap“ begleitet mich seit inzwischen 30 Jahren wie ein guter Freund. Regelmäßig (von der zwischenzeitlichen Pause abgesehen) erscheinen immer überraschend gute Alben. Zur Feier ihre 30-jährigen Bestehens veröffentlichen sie im September ihr neues Album und gehen auf Tour. „Arab Strap“ erzählen Geschichten aus dem Leben. Mit Ecken und Kanten, immer mit einer Protion Melancholie – so wie das Leben halt so ist. Vermutlich fühlt man sich ihnen deswegen so nah. Vorab gibts das ungewöhnlich elektronische „you you you“. Trotzdem ist es durch und durch „Arab Strap“. Kurz: Gelungen. Ich freu mich schon aufs Album!

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Various – Angriff auf’s Schlaraffenland. Ein Deutschpunk-Mixtape auf 2 LPs

Eigentlich verrät der Titel dieser am Freitag erscheinenden Compilation bereits alles. Anders als unsere eigenen „sowas von egal.„-Zusammenstellungen geht es hier musikalisch ruppig und textlich überwiegend politisch zu. Was das Label Tapete hier ertsklassig hinbekommt, ist der Mixtape Charakter. Anders als bei gängigen Sampler werden hier nicht einfach die üblichen Klischees abgehakt. Zwar sind Genre Legenden wie „Male“, „Östro430“, „FSK“, „Syph“, „EA80“, „Der KFC“, „Toxoplasma“, „Terrorgruppe“ und natürlich „Slime“ dabei. Allerdings gibt es auch neuere Bands, die nicht unbedingt Punk spielen, aber Musik mit entsprechendem Vibe: „Egotronic“, „Die Aeronauten“, „Superpunk“, „Antilopengang“, „Tocotronic“ und „Stereo Total“. Von bekannten Hits wie „Slime“s „deutschland“ über unbekannteres wie „Isolierband“s „keine gnade“ bis hin zu wenig bekannten Samplerbeiträgen („Der KFC“: „gefangen in der BRD“), ist einiges dabei. Auf zwei LPs bzw. CDs gehts überwiegend nach vorne. Und genau so wie auf einem guten Mixtape! Tolle Compilation! Passend dazu veröffentlicht der Ventil Verlag ein Buch mit demselben voll mit interessanten Beiträgen zum Thema. Rundumsorglospaket!

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Paul Weller – At The BBC (Vol. 2)

Paul Weller – gern Modfather genannt – hat nach seinen Karrieren mit „The Jam“ und „Style Council“ die Welt seit nunmehr 34 Jahren regelmäßig mit überwiegend gelungenen Alben bereichert. Da sei es ihm gegönnt, dass er mit seinen zahlreichen BBC Sessions noch etwas Geld macht. Zunächst veröffentlichte er 2008 die oppulente 3er LP „at the bbc“. Gerade hat er nun den zweiten Teil vorgelegt – so viele Sessions haben sich seither angesammelt. Wieder sind es drei LPs bzw. 3 CDs geworden. Und tatsächlich ist der zweite Teil gelungen, zeigt er einmal mehr die Vielseitigkeit des bald 70jährigen Weller. Mal sind es verträumte Akkustik Tracks, mal rockige Versionen oder Stücke mit Streichorchester. Alles dabei. Daher sei dieser Überblick über sein Schaffen trotz des etwas höheren Preises unbedingt empfohlen.

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SDH – Rider

Das spanische Duo „SDH“ hat soeben sein neues Album „rider“ veröffentlicht. Vor drei Jahren enttäuschten sie noch mit „fake is real“. Das neue Werk ist sicher nicht die Neuerfindung des Rades, hält aber einige schöne Ideen und Melodien bereit.

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Boo Radleys – In Spite Of Everything

Die legendäre Britpoprock Band „Boo Radleys“ mit ihrem Hang zum Psychedlsischen hat in den 90ern große Erfolge gefeiert, wusste aber auch Kritiker*innen immer mit überraschenden Experimenten zu begeistern. Das Kapitel endet mit dem Ausstieg von Gitarrist und Songschreiber Martin Carr im Jahr 1999. Die verbliebenen drei Mitglieder taten sich bereits 2021 wieder zusammen und veröffentlichten zwei langweilig, uninspirierte Album. Am Freitag ist mit „in spite of everything“ (danke Jeff für die Erinnerung!) nun das dritte Album nach der Reunion und das neunte der Bandgeschichte erschienen. Und endlich trauen die Briten sich wieder etwas: Neben psychdelischen Melodien wird hier nun auch mit Sounds und Arrangements experimentiert. Für Kenner*innen der Band: Es geht wieder in Richtung „giant steps„. Dass sie einen derartigen Meilenstein noch einmal hinbekommen werden, ist unwahrscheinlich. Aber „in spite of everything“ ist endlich wieder ein schönes Album, das einfach so durch geht!

Es sei noch kurz erwähnt, dass Ex Mitglied Martin Carr just ebenfalls am Freitag sein neues Album „what future“ veröffentlicht hat. Das ist allerdings ziemlich belangloser, instrumentaler, angedubter Electrosound…

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Fr. Dionysios Tabakis – Paradise Metal

Vorab: Das hier ist KEIN Metal. Aber es ist ein Release, das es in sich hat. Ich denke, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte „paradise metal“ ist einzigartig. Das soeben auf dem griechischen Label Heat Crimes erschienene Album ist das Debüt des 53-jährigen orthodoxen Priesters. Das hat er allein zu Hause aufgenommen. Und die Musik? Ihr ahnt es, das wird wild! Tabakis spielt tatsächlich eine Metal Gitarre. Allerdings verzichtet er bis auf Hall weitgehend auf Effekte. Bemerkenswert ist auch die Art, wie er spielt: Eine Liedmelodie führt, dazu werden Akkorde eingeworfen und ein Tremolohebel setzt zusätzlich Akzente. Die Tonalität ist bewusst byzantinisch. So hört sich das für westeuropäische Ohren bisweilen recht orientalisch an. Noch wilder wird es, wenn er die Drummachine und den Synthie auspackt und obendrein liturgisch-sakralen Gesang hinzufügt. Einer dieser Songs heißt „techno ἐν Μοναστηρίῳ“ – Techno im Kloster. Es gibt auch Techno Christmas und einen Rap Track! Da spricht Tabakis zu sakralem Gesang und Glocken. Man muss sich hierauf einlassen. So irre das Alles ist, so großartig und wie gesagt: einzigartig ist „paradise metal“. Ach so: Erhältlich als Tape und digital hier.

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Denis & Denis – Cuvaj Se!

Das Duo „Denis & Denis“ dürfte wohl die bekannteste Synthwavepop Band aus dem ehemaligen Jugoslawien sein. Und gerade ihr Debüt „cuvaj se!“ überzeugt durchgängig mit tanzbaren Songs voller großaritger Sounds und Melodien. Das Album stammt aus dem Jahr 1984 und war in den letzten Jahren – wenn überhaupt – nur überteuert und/oder in fragwürdigem Zustand auf Vinyl zu haben. Nun hat Croatia Records das Album in den Abbey Road Studios neu mastern lassen und soeben als LP wiederveröffentlicht. Derzeit scheint es noch keinen Vertrieb in Deutschland zu geben. Aber da Kroatien zum Glück in der EU ist, kann man die Platte auch für einen fairen Preis direkt beim Label bestellen. Und die LP kommt obendrein mit Download Code. Wenn das keine guten Nachrichten sind…

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The Fall – Fall Heads Roll

Mark E. Smiths „The Fall“ sind Legende mit der in allen Belangen durchgezogenen Kompromisslosigkeit. Vom Spätwerk des 2018 viel zu früh verstorbenen Smith gilt das 2005er Album „fall heads roll“ als eines der besten. Nicht ohne Grund sind alle Vinyl Varianten gesucht und teuer. Minimale Strukturen und die (fast) immer ordentlich auf die Glocke. Da hat Smith die zu jener Zeit angesagten Indie-Schrabbelbands noch einmal ordentlich in ihre Schranken verwiesen. Highlight dürfte das schon beinahe krautige „blindness“ sein. Gerade ist das Album als Doppel Lp neu erschienen. Allerdings nicht ganz billig. Aber immernoch weit günstiger als die dreistelligen Preise bei Discogs!

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