Ceramic Hello ‎– The Absence Of A Canary

Das einzige „Cermic Hello“ Album hatte ich bereits vor geraumer Zeit vorgestellt. Lange waren alle Versionen davon ausverkauft: Das Original von 1981 sowieso, aber auch die Reissues von 2006 und 2012. Und allen Vinyl Versionen ist gemein, dass sie inzwischen recht teuer sind. Just heute ist eine ganz neue Auflage erschienen mit bisher noch nie enthaltenen Beilagen und wahlweise in transparentem oder schwarzem Vinyl.

(vk)

Pavillon 7B

„Pavillon 7B“ dürfte sicher eine der bekanntesten französischen Cold Wave bzw. Minimal Bands der 80er sein. Sie veröffentlichten von 1984-88 einige Tapes, aber auch ein Album. 2007 kam noch eine Zusammenstellung von u.a. Tape Tracks auf Minimal Wave heraus. Die Musik weiß vor allem deswegen zu begeistern, weil neben der Leichtigkeit vieler Minimal Acts eine tiefe, kühle Atmosphäre in all ihren Stücken mitschwingt. Das Album und die Zusammenstellung belegen eine überrraschende Vielseitigkeit. Tatsächlich macht es „Pavillon 7B“ im Prinzip unbeschreibbar. Um so mehr würde man sich hier eine Reissue des Albums sowie der inzwischen ebenfalls hochpreisigen Zusammenstellung wünschen.

(vk)

Die Arbeit – Material

„Die Arbeit“ kommen aus Dresden und veröffentlichen mit „Material“ ihr Debüt. Sowohl Produktion als auch Info sehen das Quartett wohl in der Tradition von aktuellen Bands wie „Die Nerven“ oder „Isolation Berlin“. Das tut den jungen Herren aber Unrecht. Denn „Die Arbeit“ fängt eine Dringlichkeit ein, die den genannten so fehlt.
Sie verbinden klassischen, leicht rödeligen Indie-Gitarren-Sound mit einem nöhligem Gesang, der dem frühen Peter Hein von den „Fehlfarben“ zur Ehre gereicht. Sympathisch dabei auch: „Die Arbeit“ schreiben nicht nur die Songs selber, sondern haben das Album auch selber produziert. So viel wie möglich in den eigenen Händen behalten. Gut so.
Es gibt hier und da ein paar schwächere Stücke wie „leichen“, bei dem ihnen wohl ein wenig die Ideen ausgegangen sind. „keine zeit für ironie“ hat eine düstere 80er Atmosphäre, erinnert gleichzeitig an frühe „Blumfeld“ und reißt es leicht wieder raus. Der Überfliegersong ist und bleibt aber die Single „haut, knochen und gesichter“, das so druckvoll ist, kombiniert mit einem simplen wie mitreißenden Riff. Dem kann man sich schwerlich entziehen und ist sicher spätestens beim ausbrechenden Refrain dabei.

(vk)

Borusiade – Fortunate Isolation

Neues aus dem Haus Dark Entries: Borusiade aka Miruna Boruzescu aus Rumänien ist seit 2002 als DJ aktiv, seit 2005 produziert sie auch Musik. Inzwischen kann sie auf einige Releases auf interessanten Labels wie Cititrax und Punkman zurückblicken. Freitag ist nun mit „fortunate isolation“ ihr zweites Album erschienen, das für Borudiades Verhältnisse recht poppig geraten ist. Die Musik bleibt weitgehend instrumental und schwingt zwischen Minimal, Dark Ambient und dem Dancefloor hin und her. Das macht es zwar schwierig, sie zu beschreiben, aber gleichzeitig gerade deswegen interessant.

(vk)

Lars Cleveman ‎– Cleveman

Der Schwede Lars Cleveman hat 1985 ein seltsames Album zwischen Minimal, Synth Pop und Postpunk herausgebracht. Es atmet auch ein wenig den Pathos der „Associates„, obgleich der Gesang ganz anders ist. Wenn man dann weiß, dass Cleveman später eine Karriere als Opern Sänger begann, ergibt die Musik auf einmal viel mehr Sinn. Klar singt er hier keine Arien, aber die ausgebildete Stimme zeichnet sich ab und verleiht der Musik eine ganz besondere Atmosphäre. Leider gibt es von dieser spannenden Platte keine Neuauflage – nur schwedische Originale ab 50 Euro. Aber wenn einem die Platte mal in die Finger fallen sollte, kann man bei einem günstigeren Preis sicher nichts falsch machen.

(vk)

Alien Bone – Alien Bone EP

Das hier ist etwas ganz besonderes! Die Ep ist die erste Veröffentlichung dieses US-amerikanischen Duos – und das beinahe 40 Jahren, nachdem die Stücke aufgenommen wurden! Hinter dem Namen „Alien Bone“ verbergen sich Richard Bone und The Alien Comic aka Tom Murrin. Bone dürfte dank seines Albums „brave tales“ einer der bekanntesten 80er-Minimal Künstler der USA sein. Zu etwa derselben Zeit, als er sein Kultalbum geschaffen hat, nahm er zusammen mit dem Komiker The Alien Comic einige Stücke auf. Die wurden aber nie veröffentlicht – bis jetzt.
Das schwedische DIY Label Orlandomaniac Music, das uns schon die wunderbare Richard Bone Zusammenstellung „brave sketches“ schenkte, hat nun drei der Stücke des Projektes auf einer auf 100 Stück limitierter 7″ veröffentlicht. Und was für Stücke! Allen Menschen, die 80er Minimal lieben, dürfte dabei das Herz aufgehen. Es trifft der für Bone typisch leicht schrullige Minimal Sound auf eine Art irren Sprechgesang. Diese Kombination ist im Fall von „living alone“ sogar ausgesprochen tanzbar. Bei der Auflage sollte man da wohl ganz schnell zuschlagen. Tipp!

P.S.: Einen Link mit Musik gibt es leider nicht, aber glaubt mir: Hier kann man nichts falsch machen!

(vk)

Rustin Man – Clockdust

Paul Webb aka Rustin Man kann auf eine bewegte musikalische Vergangenheit zurückblicken: So begann er als Bassist der inzwischen legendären „Talk Talk“, mit deren musikalische Entwicklung sich allein schon Bücher füllen lassen. Nach deren Auflösung wurde es etwas ruhig um Webb, nur um 2002 mit „Portishead“-Sängerin das allseits hochgelobte Album „out of season“ herauszubringen. Es dauerte ganze 17 Jahre, bis dann das Solodebüt „drift code“ erschien. Wieder überschlug sich die Presse voll des Lobes für dieses ruhige Kleinod an Musik. Überraschend auch Webbs Gesang, der tasächlich an den späten Bowie erinnert. Im März erscheint mit „clockdust“ Album Nummer zwei. Allerdings ist es nicht wirklich neu, da die Stücke den Sessions zu „drift code“ entstammen. Wenn „clockdust“ hält, was der vorab veröffentlichte Song „jackie’s room“ verspricht, scheint es sich aber weniger um Ausschuss zu handeln, sondern um ebenso hochwertige Musik wie das 2019er Werk.

(vk)

Riki – Riki

Bereits im November wurde das Debüt Album der Gruppe „Riki“ aus LA angekündigt. Eigentlich von der Sängerin als Soloprojekt gegründet, ist „Riki“ inzwischen eine Band. Der Song „napoleon“ wusste – wie ich schon im November ankündigte – mit großer 80er Geste zu überzeugen. Entsprechend hoch waren die geschürten Erwartungen. Nicht zuletzt weil sich Matia Simovich von dem Projekt „Inhalt“ für Produktion und Sound verantwortlich zeichnet.
Ja, das Debüt Album ist ein gutes 80s Pop Album. Allerdings enttäuscht schon der Umfang: Nur 8 Songs umfasst „riki“. Von denen sind „napoleon“ und „böse lügen“ bereits veröffentlicht. Was sich bei „earth song“ abzeichnete, bestätigt sich leider: An das überragende „napoleon“ reicht leider keiner der anderen Songs auch nur annähernd heran. Die Melodien sind viel zu simpel. Schade. Vielleicht hätten sich „Riki“ etwas mehr Zeit mit dem Debüt lassen sollen, um sich noch weitere Highlights à la „napoleon“ zu konzentrieren. So bleibt das Album einfach ein gutes Pop Album. Immerhin.

(vk)

Else Nabu – Else Nabu

Else Nabu ist eine von diesen spannenden Frauen, die Anfang der 80er im Fahrwasser des NDW seltsam, schrille Alben veröffentlichten wie auch Jyl oder Anna Dobiey. Klar, irgendwo passt sie mit „jagdzeit“ und „angst“ schon in das gängige NDW Klischee. Anders andere Stücke: „adler & raketen“ lässt krautige Elemente einfließen oder „apokalypso„, das eine schräge Calypso Nummer geworden ist. Auf Albumlänge kann Elsa Nabu vielleicht etwas ansträngend sein, aber die einzelnen Stücke sind faszinierend. Und überhaupt: Ein Album, an dem George Kranz, Christian Kneisel und Jim Rakete mitgewirkt haben, kann so übel nicht sein…

(vk)

Marc Almond – Chaos And A Dancing Star

Marc Almond bedarf sicher keiner Vorstellung mehr. Kaum einer dürfte nicht zumindest ein Stück des britischen Künstlers kennen – und würde sich in jedem Fall damit sträflich limitieren. Vor beinahe drei Jahren überraschte Almond zu seinem 60. Geburtstag auf dem Album „shadows and reflections“ mit einem an Scott Walkers Teifgründigkeit und die 60er erinnernden Pathos. Kein Wunder, machte Almond ja nie einen Hehl aus seiner Bewunderung für Walker.
Anno 2020 sind die 60er wieder in den Hintergrund getreten und ästhetisch wie musikalisch die 80er in den Vordergrund gerückt. Auch enthält „chaos and a dancing star“ im Gegensatz zu seinem Vorgänger keine Cover-Songs. Pathos wird aber weiterhin groß geschrieben. Das Klavier ist zentraler Bestandteil beinahe aller Stücke. Das weitere Arrangement variiert dann vom 80er Popsong („black sunrise“) bis hin zum theatralisch anmutenden Stücken wie „when the stars are gone“. Das lässt einen dann schon bisweilen an Almonds Projekt „Marc And The Mambas“ denken.
„chaos and a dancing star“ ist ein Album, das für Vinyl konzipiert worden zu sein scheint: Die erste Seite umfasst die vielleicht schon etwas zu seichten Popsongs, die gar schlimme gnidelige Gitarrensoli enthalten. Das hätte wirklich nicht sein müssen. Die zweite Seite hingegen ist glamourös, Theater und wieder die große Geste, für die man Marc Almond so schätzt. Es sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass Ian Anderson auf dieser Seite einige Stücke mit seiner von „Jethro Tull“ bekannten Querflöte begleitet.
In Summe kann „chaos and a dancing star“ nicht an seinen Vorgänger heranreichen, überzeugt aber zumindest auf Seite zwei durchweg.

(vk)