June – Silver Demon

Der Wahl-Berliner Tsampikos Fronas aka „June“ überzeugte zuletzt 2015 mit einem wunderbaren Instrumental-Album, das ziemlich genau wie die Musik des Meisters des zeitgenössischen Minimals „Martial Canterel“ klingt. Man höre sich nur den Titelsong „dominion“ an. Das ist aber wohl auch der Grund, wieso das Album eines verkanntesten Werke des Jahres gewesen sein dürfte.
Anfang Februar erscheint mit „silver demon“ Album Nummer drei. Bislang gibt es einen Song zu hören. Bei „first age“ ist das Verspielte einem düsteren, repetitiven Sound gewichen. Das erscheint zunächst ungewohnt, funktioniert dann aber überraschend gut. Da darf man auf das Album in Gänze gespannt sein.

(vk)

Pet Shop Boys – Hotspot

Die britischen Meister der Popmelodien sind zurück! Seit weit über 30 Jahren sind sie im Geschäft und liefern immer wieder überraschende Alben ab, die alle diese hymnischen Melodien eint. Obwohl die beiden Herren Tennant und Lowe schon so lange dabei sind, schaffen sie es doch immer, frisch zu klingen. Das ist auch 2020 immernoch so. Nun ziehen sogar autotune-artige Gesangseffekte und moderne Beats in das „Pet Shops Boys“ Universum ein – wie in „you are the one“. Trotzdem klingen die Harmonien nicht nach dem beliebigen Einerlei vieler aktueller Künstlerinnen und Künstler. Man könnte sie böse auch „konservativ“ nennen. Aber he, wenn man auf die 70 zugeht, darf auch mal etwas in der Musik nach früher klingen.
Tatsächlich passen einige Songs wie „i don’t wanna“ gerade deswegen besonders gut in eine Jetztzeit, in der Neon-80er in Serien und viele (Undergorund-)Musik einziehen. Mir persönlich gefallen die „Pet Shop Boys“ immer dann am besten, wenn sie ruhiger und melancholisch werden. Genau deswegen dürfte „hoping for a miracle“ der stärkste Song sein. Hier haben sich die beiden offenbar mit den Sounds und den Melodien die größte Mühe gegeben.
Denn leider muss auch festgehalten werden bei all dem Lob, dass „hotspot“ über weite Strecken doch ein wenig beliebig geraten ist. Aber vielleicht sind das einfach Luxus Probleme, weil es schon so viele großartige „Pet Shop Boys“-Songs gibt…

(vk)

Detox Twins – Dead Horse Ghost

„The Detox Twins“ ist ein Alias des schon länger aktiven britischen Minimal-Synth Poppers „Vorderhaus“ aka Mark Vorderhaus. Das Projekt ist etwas verrückter und tanzbarer als die Hauptband. Eine Gastsängerin sprichtsingt seltsame Schnipsel in die Musik. Schon 2014 erschien mit der Single „einhorn suicide“ ein veritabler Clubhit. Nach einigen weiteren Singles erschien im November das erste Album: „dead horse ghost“. Enttäuschend dabei, dass fast alle vorher bekannten Hits darauf enthalten sind. Andererseits: Hat man die Singles verpasst, hat man hier eine feine Zusammenstellung aller „Detox Twins“ Knaller. Bitte weiter machen!

(vk)

Pisse – LP

Die deutsche Band „Pisse“ konnte wegen ihres ebenso kompromisslosen wie politischen Schrammelpunks spätestens seit 2015 („scheiß ddr„) einige Erfolge feiern. Wo sich die „Goldenen Zitronen“ zunehmend selber musealisieren, sind politisch dringliche Bands gerade in der heutigen politischen Landschaft nötiger denn je. Nach einigen Eps in den letzten Jahren gibt es nun ein neues Album. Zwischen Punk und Orgel-Surf-60ties-Garage wird alles abgegrast. Hauptsache, es geht nach vorne. Schönes Ding! Bisher digital only, seit gestern auch als LP erhältlich.

(vk)

Pale Saints – Comforts Of Madness

Die britsche Band „Pale Saints“ war während des Wechsels von den 80ern in die 90er eine der Hoffnungen des Shoagaze Hypes jener Zeit, blieb im Gegensatz zu „Ride“ und „Slowdive“ aber immer in der zweiten Reihe. Vielleicht liegt das an den – trotz der sehr poppigen Melodien – teils spröden Arrangements. Live endeten Songs im Feedback-Gewitter. Die Trennung zwischen den Stücken war aufgehoben. Das war besonders, aber vielleicht schwierig für eine breite Masse.
Es mag auch an dem ersten Sänger der Band, Ian Masters, liegen, der in dem Ruf stand, ein sehr schwieriger Mensch zu sein.
In jedem Fall kann das Debüt „comforts of madness“ sicher als ein verkanntes Meisterwerk gesehen werden. Zum 30-jährigen Jubiläum des ersten Erscheinens wurde das Album remastered wiederveröffentlicht. Die CD Version enthät auch noch zusätzliche Demo Versionen und Peel Sessions. Auch wenn es fraglich ist, ob es dieses Reissue braucht, da die Platte immernoch günstig als Original erhältlich ist, darf das als willkommener Anlass gesehen werden, dieses Juwel mal wieder zu hören.

(vk)

Riki – Earth Song

Das selbstbetitlete Debüt Album von Riki, das im Februar erscheinen wird, habe ich ja bereits im November voller Begeisterung angekündigt. Nach „napoleon“ gibt es mit „earth song“ den nächsten Song daraus zu hören. Der beweist wieder Rikis Gespür für gute 80er Pop Melodien. Allerdings kommt er nicht an den Floorfiller „napoleon“ heran. Lange dauerts ja nicht mehr, bis das Album erscheint…

(vk)

Nicolas Godin – Concrete And Glass

Das französische Duo „Air“, das in den 90ern mit „sexy boy“ und „all i need“ eine der bekanntesten Vertreter des Spaceage-Easy-Listening-Revivals war, ist ja schon seit geraumer Zeit eher einzeln unterwegs. Ich weiß gar nicht, ob es inzwischen eine offizielle Auflösung gab. Jedenfalls liegt das letzte gemeinsame Album je nach zählweise bereits 6 bzw. 8 Jahre zurück.
Am Freitag erscheint das neue Solo Album von Nicolas Godin. Es fügt sich durchaus in das Werk der Band ein. Und Godin selber sieht gar eine Anknüpfung an die frühen Tage von „Air“. Zudem soll es eine Verneigung vor minimaler Architektur im allgemeinen und Le Corbusier im besonderen sein. Als akustisches Inventar würde sich die entspannte Musik da auch sicher gut machen.
Neben Instrumentalpassagen und dem schon vor „Air“ bekannten Vocoder Gesang, finden sich auch einige Gastsängerinnen und Gastsänger auf „concrete and glass“. Allerdings sind die Stücke am besten, wenn sie ohne Gastgesang auskommen. Und am allerbesten, wenn sie sich besonders dem Sound der Hauptband annähern wie in „what makes me think about you“ und „the border“. Mein Highlight bleibt aber der schwer zu greifenden Opener – gleichzeitig Titelsong des Albums. Minimal Synthies Sounds treffen auf Easy Listening und verbinden sich zu einem cineastischen Orhwurm. Schöner Start ins neue Jahrzehnt!

(vk)

Order 89 – Bleu Acier

Die bisher einzige Veröffentlichung „bleu acier“ des Pariser Trios „Order 89“ erschien bereits im Oktober. Die Band vermischt minimale Sounds mit klassischem Postpunk. Das ist eine Beschreibung, bei der ich selber meist aufhöre zu lesen. In der letzten Zeit gibt es eine wahre Schwemme von Postpunk Bands, die alle gefühlt vollkommen langweilig und gleich klingen. Nicht aber „Order 89“. Sie machen da weiter, wo Bands wie „Rendez-Vous“ mit ihrer Debüt ep „distance“ aufgehört haben. Schönes Album, mit dem Postpunk auch wieder Spaß macht! Einzig die ruhigen Tracks wie „grandir seul“ und „2002“ sind echt verzichtbar.

(vk)

Schwefelgelb – Die Stimme Drängt

Am 11. Februar erscheint die neue EP der Everybody Darlings des Dancefloor „Schwefelgelb“ – diesmal nicht auf Aufnahme und Wiedergabe, sondern auf dem ebenso gut passenden Minimal Wave Sublabel Cititrax. Zu hören gibt es bislang nur ein paar Schnipsel auf der Bandcamp Seite und einen Trailer. Das, was es zu hören gibt, ist der typische aggressive „Schwefelgelb“-Sound, der sich aber weg vom EBM mehr hin zu klassischem Clubsound bewegt zu haben scheint.
Das ist ganz gut, reißt aber nicht so mit wie etwa noch die minimalere „dahinter das gesicht„-ep.

(vk)

Tobias Bernstrup – Private Eye

Der Italo/Synths Pop Musiker Tobias Bernstrup wusste zuletzt mit einem Remix für „Lebanon Hanover“ zu überzeugen. Seine eigenes letztes Album „technophobic“ enttäuschte dann doch ein wenig. Zu belanglos waren die Melodien. Am 1.1. erschien die neue Single „private eye“, die wieder aufhorchen lässt. Clubiger Italo/Synthpop ist die Single geworden. Wenn Bernstrup da nun so weiter macht, könnte das nächste Album wieder was werden.

(vk)