This Is The Bridge – In The Strangled Air

Das britische Projekt „This Is The Bridge“ bescherte uns mit seinem Debüt Album Anfang letzten Jahres schon zu Jahresbeginn eines der besten Alben aus 2018: „broken sculptures“ waberte als authentischer 80er Minimal Entwurf inklusive der in den 80ern typischen Skurrilität vor sich hin. Am 2. März erscheint der Nachfolger „in the strangled air“ – wieder auf dem Belfaster Label Tonn Recordings. Der vorab veröffentlichte Track „static“ lässt vermuten, dass es da weiter geht, wo das letzte Werk aufgehört hat. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

(vk)

Andy Anderson – Mark Hollis

Derzeit sind viele zurecht bestürzt über den unerwarteten, viel zu frühen Tot von „Talk Talk“s genialem Kopf Mark Hollis. Etwas weniger prominent, aber auch völlig überraschend starb am Montag der frühere „Cure“-Schlagzeuger Andy Anderson, der in den 80ern bei „lovecats“ einstieg und über das Live Album „concert“ und das Studio-Album „the top“ dabei war. Wieder zwei Helden der 80er weniger…

(vk)

Death And Vanilla – Are You A Dreamer?

Das schwedische Trio „Death And Vanilla“ fragt, ob die Hörrerinnen und Hörer Träumer sind. Die Frage darf sicher rhetorisch verstanden werden. Denn wo sich die Band musikalisch verorten lässt, hat sie schon beeindruckend 2012 auf ihrem selbstbetitelten Debüt vorgeführt: Verträumter Neopsych, der direkt an die legendären „Broadcast“ anschließt, immer spacig und auf eine seltsame Art verstörend wirkt. Da sie an Soundtracks zu dem Stummfilm „Vampyr“ und dem Polanski Film „The Tennant“ arbeiteten, kam ihre Songs ein wenig zu kurz. Seit dem Debüt gab es nur noch 2015 ein Album („to where the wild things are…“), das etwas poppiger war. Im April erscheint „are you a dreamer?“. Bei dem ersten zu hörenden Song verbinden sie die Sounds ihrer Soundtrackarbeiten mit poppigem Neopsych. Sehr angenehm.

(vk)

Lost Tapes – The Bill EP

Ach, die spanischen Lost Tapes gibt es noch… so irgendwie am Rande habe ich 2017 noch mitgeschnitten, dass auf Shelflife Records eine Compilation der – die Jahre zuvor – verstreut veröffentlichten EPs erschienen war, aber bereits die letzte (dritte) EP aus 2015 war schon nicht mehr so spannend und zwingend wie die beiden Releases zuvor!
Nun aber läßt das Duo wieder von sich hören und haute vor wenigen Tagen mit „The Bill“ ihre vierte EP raus… und tatsächlich, die vier Songs kommen zwar nicht ganz an die Stärke der frühen Tage heran, lassen aber doch alte Qualitäten wieder aufblitzen! Janglegitarren treffen auf verträumten Gesang, zückersüße Melodien und verhallte Atmo, man denke etwa an frühe „Wild Nothing“, „Beach Fossils“ oder „Pains Of Being Pure At Heart“, bevor diese in der absoluten Belanglosigkeit verschwanden! Kann man machen…

(mf)

Nullzeit + Ton8

Nach unserem Sampler „sowas von egal“ freuen wir drei von Damaged Goods uns riesig, unsere neueste Zusammenarbeit – diesmal mit dem feinen Label Young & Cold Records – präsentieren zu können. Voraussichtlich noch in diesem Sommer wird es gleich zwei LPs von Bands geben, die die Leserinnen und Leser dieses Blogs längst kennen, die aber beide bislang nie ein Album herausgebracht haben: „Nullzeit“ und „Ton8„.

Das „Nullzeit“ Album wird neben der Single „dein ganzes leben“ mit „spiegelmensch“ und dem Sampler Beitrag „1000 jahre“ ganze zehn bislang unveröffentlichte Stücke enthalten.

Das „Ton8“ Album wird natürlich das großartige „trümmer“ sowie auch „schönheit“ enthalten und 11 Stücke umfassen.

Zusammengestellt von uns, gemastert von Young & Cold Records gestaltet Biljana – wie bereits bei unserem Sampler – die Cover beider Platten.

Wir freuen uns wahnsinnig und können es kaum erwarten!

(vk)

Sleaford Mods – Eton Alive

Zwei Jahre nach „English Tapas“ ist am Freitag das neue „Sleaford Mods“ Album „eton alive“ erschienen. Was gibt es Neues im Universum der „everybodys‘ darlings“? Zunächst einmal haben sich die beiden von Rough Trade getrennt. Ansonsten alles beim Alten. Logisch, gibt es schließlich gerade (immernoch) wirklich viel, worüber man sich in der britischen Vorstadt (zurecht) aufregen kann. Ja, politisch sind die „Sleaford Mods“ noch immer: Auf dem Cover werden zig Internet-Seiten aufgelistet zu Frauenrechten, Tierrechten und vieles mehr. Nebenbei senden die beiden hier auch einen Gruß an alle europäischen Schwestern und Brüder – ihr Statement zum Brexit.
Und die Musik: „Sleaford Mods“ bemühen sich merklich, musikalisch anspruchsvoller zu werden. Weniger rudimentär, dafür ausgefeilter. Jason Williamson versucht sich in „when you come up to me“ sogar an Gesang. Das halte ich für ein schwieriges Unterfangen, macht die Band doch gerade die wild, aggressiven Punchlines über billig zusammen geschraubten Samples aus: Britische (Musik-)Klischees treffen da auf politische Wut, wie man es lange nicht gehört hat. Andererseits können sie nach unzähligen Alben ja nicht immer genau dasselbe machen. Ein Dilemma.
So bleibt „flipside“ das einzige Stück, das musikalisch an frühe „Sleaford Mods“ Tage erinnert.
„eton alive“ ist ein gutes Album, ja, aber kann an „divide and exit“ von der Radikalität im Ganzen nicht heranreichen.

(vk)

Kontravoid – Undone

Im Vorprogramm von „Boy Harsher“ ist derzeit der Kanadier „Kontravoid“ mit auf Tour. Bislang hatte ich ihn nur sporadisch wahrgenommen. Live war der Auftritt aber derart überzeugend, dass ich mich noch einmal mit seinem Output befasst habe und hier seine letzte auf Fleisch erschiene EP „undone“ vorstellen möchte, auch wenn sie schon beinahe ein Jahr alt ist.
Live tritt Cameron Findlay aka „Kontravoid“ komplett schwarz gekleidet mit schwarzen Handschuhen und einer weißen Maske auf. Die erinnerte mich ein wenig an „Death In June“ – aber seis drumm. Nebel und Flashlight erzeugen zusammen mit einem typischen EBM-Sound, den man von Aufnahme und Wiedergabe und eben Fleisch kennt, für eine kalte bis aggressive, aber unbedingt tanzbare Stimmung. Hört man sich nun „undone“ an, ergibt die EP auf einmal Sinn. Man möchte sie laut aufdrehen – sehr laut! – und dann in einem blanken Betonbau dazu tanzen.

(vk)

Lorelle Meets The Obsolete – De Facto

Die mexikanische Band „Lorelle Meets The Obsolete“ bringen seit 2011 regelmäßig kantige und ungewöhnliche Neopsych Alben heraus. Dabei nehmen sie eine bemerkenswerte Entwicklung: Angefangen als lärmig rumpelnde Garagen Band mit leichtem Shoegaze Touch, war ihr bislang größter Erfolg das 2014er Album „chambers“. Danach wurden sie etwas schwer zu fassen. „balance“ langweilte in weiten Teilen. Gerade ist nun „de facto“ erschienen und schlägt ruhigere Töne an. Zugleich sind Synthies hinzugekommen. Das lässt die Stücke bisweilen so klingen, als seien sie dem Twin Peaks Soundtrack entsprungen.

(vk)

Peter Tork

Traurige Nachrichten: Peter Tork, einer der Gründungsmitglieder der 60er Band „The Monkees“ ist gestorben. Als Bestandteil einer Fernsehshow waren die „Monkees“ eine der ersten Retorten Bands, emanzipierten sich aber keine zwei Jahre nach dem Debüt und schrieben und spielten ihre Alben schließlich selber. Tork arbeitete darüber hinaus an George Harrisons legendärem, experimentellem Album „wonderwall“ mit. In Erinnerung bleiben die „Monkees“ als eine Psych Pop Band mit wirklich guten Songs wie etwa „daydream believer„.
Bereits 2012 verstarb mit Davy Jones ein weiteres Gründungsmitglied.
Weniger bekannt als ihre Superhits, aber deutlich aufregender waren die psychedelischen Ausflüge der „Monkees“:

(vk)

Murray A. Lightburn – Hear Me Out

Der Name Murray A. Lightburn ist sicher nicht allzu vielen geläufig. Seine Band – „The Dears“ – aber vielleicht schon. In den frühen 2000ern hatte die kanadische Band zu unrecht den Ruf von „Smiths“-Epigonen, was vor allem an dem Song „lost in the plot“ lag. Dabei waren ihre Alben immer von aufregend vielschichtigem Pop und von Lightburns sonorer Stimme gekennzeichnet. Wohl weil sie so schnell in eine Schublade gesteckt wurden, war ihnen der große Durchbruch immer verwehrt geblieben. Vielleicht aber auch wegen der schön Popmusik, die immer ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein scheint.
Relativ regelmäßig erschienen dennoch feine Alben der Band. Zuletzt 2017 „times infinity part two“. Nun versucht es Sänger und Kopf Murray A. Lightburn mit seinem zweiten Solo Album. Im Gegensatz zu seinem Solo Debüt „mass:light“, auf dem sich Lightburn ein wenig an elektronischen Sounds ausprobiert hat, klingt „hear me out“ exakt wie „The Dears“: Unaufdringlicher schöner Pop schleicht sich unmerklich in die Gehörgänge der Zuhörerinnen und Zuhörer. Was im ersten Moment ein wenig unspektakulär erscheinen mag, wächst mit jedem Hören. Das Album verdient, dass man ihm zuhört.

(vk)