Equinoxious – Unidad (E.P)

Der Mexikaner Rogelio Serrano aka Equinoxious hat sich mit seinem analogen Minimal seit 2014 einen guten Ruf in der Szene erspielt – nicht zuletzt Dank der Zusammenarbeit mit Kriistal Ann.
Analog ist hier alles: Von den teils modularen Synths bis hin zur Drummachine. Das verbindet ihn mit Helden des Genres wie „Martial Canterel“, bei dem ebenfalls ein Nerdismus in Bezug auf Analog Synths stets im Mittelpukt steht. Anfang des Monats erschien die neue digitale Ep „unidad„.
Die stellt sich als erstaunlich vielseitig heraus. Der Opener „kinema“ lässt an 70er Jahre spacige Synthreisen und an den Blade Runner Soundtrack denken. Der folgende Titeltrack ist ein kurzer knapper Popsong, der vor allem deswegen überrrascht, weil Serranos Gesang nicht mehr so unbeholfen wie auf seinen bisherigen Veröffentlichungen wirkt. Das folgende „fronteras gélidas“ dient sich schon arg dem charakteristischen „Martial Canterel“ Sound an. Minimale treibende Beats, unterlegt mit komischen Geräuschen, einer leisen Fläche im Hintergrund treffen auf feine Melodien. In dem Stil geht es weiter. Etwas schade, dass nur drei der acht Stücke mit Gesang sind, wo Serrano doch gerade offenbar den Gesang entdeckt hat. Den Abschluss bildet das 15-minütige und soundtrackartige „casagemas“. Schöne runde Sache diese Ep, die gern eine physische Veröffentlichtung erfahren dürfte.

(vk)

The KVB – Live At La Cigale

Das britische Duo „The KVB“ melden sich zwei Jahre nach dem letzten Album zurück. Zwar nicht mit neuem Material, dafür mit einem Live Album, das im Januar diesen Jahres in Paris aufgenommen wurde. Enthalten ist ein schöner Querschnitt durch das Schaffen der Band. Bei der glatten bis sterilen Produktion stellt sich zwar die Frage, ob es da überhaupt ein Live Album braucht. Aber eine schöne Zusammenstellung ist „live at the cigale“ in jedem Fall. Vielleicht hätte man besser diese Tonspur benutzt:

(vk)

Second Glance – Piano

Eine kleine Sensation: Die australische Band „Second Glance“ hat mit dem Song „shackles and chains“ einen Track geschaffen, der auf keiner 80er Minimal Party fehlen darf. Der findet sich auf der bis zum Rerelease 2019 extrem gesuchten Zusammenstellung „the signal to noise set“ von 1984. Ansonsten gibt es eine rare Mini Lp. Zur der Zeit entstand auch das Album „piano“, das aber nie veröffentlicht wurde. Bis jetzt! Denn auf der Bandbandcamp Seite gibt es das Album nun digital für einen begrenzten Zeitraum. Enthalten ist auch der Hit „shackles and chains“. Bleibt zu hoffen, dass sich ein Label zur physischen Veröffentlichtung findet. Die Stücke hätten es verdient!

(vk)

Widdendream – Wave Of Silence

„Widdendream“ ist ein Duo aus San Francisco. 2018 veröffentlichten es sein darkwaviges und noch etwas unbeholfenes Debüt „in the night„. Am kommenden Wochenende erscheint mit „wave of silence“ (Mini-)Album Nummer zwei auf Kernkrach. Die zwei Jahre Zeit zwischen den beiden Alben haben einen ernormen Sprung im Sound der Band bewirkt. Die Stücke sind ausgefeilter und deutlich besser aufgenommen. Laut Labelchef Doc Kernkrach kann man hier Elemente von Kim Wilde und „OMD“ hören. Durchaus. Verblüffend, dass die Stimme von Sängerin Mei-Lee Chen in einigen Stücken tatsächlich wie Kim Wilde klingt. Schöne Platte und dringend zum Kauf empfohlen!

(vk)

Shirley Collins – Heart’s Ease

Es ist beinahe vier Jahre her, dass Shirley Collins ihr letztes Album „lodestar“ veröffentlichte, das vor allem deswegen bemerkenswert war, weil es ihr erstes seit 38(!) Jahren war. Offenbar hat sie ihre neu entdeckte Produktivität angespornt und so erscheint im Juli „heart’s ease“. Hier geht sie keine Experimente ein. Wieso auch, wenn sie das, was sie schon immer macht, so authentisch und gut macht: Folk mit besonderen Melodien und einer tiefen Wärme.
Collins hat laut Label ein neues Selbstbewusstsein gefunden. Das stellt eigentlich auch den einzigen merklichen Unterschied zu „lodestar“ dar, auf dem sie hier und da etwas unsicher wirkte. „heart’s ease“ ist wirklich schön, passt für mein ganz subjektives Empfinden aber eher in die Herbstzeit. Aber vielleicht muss ich es auch nur einmal in der Sonne auf dem Balkon hören.

(vk)

Michael Rother – Solo II

Anfang 2019 veröffentlichte die Krautrock-Legende Michael Rother („Neu!“) seine erste Box unter dem Titel „solo„. Wie der Name schon sagt, umfasst sie den ersten Teil von Rothers Solowerk. Anfang September folgt der zweite Teil – kurz „solo II“ betitelt. Die Box enthält die nächsten fünf Alben ab „lust“ mit Ausnahme von „radio“ (wieso das nicht enthalten ist, weiß ich nicht). Dazu ein verlorenes Album und tataaaahh: ein ganz neues Album, das auch abseits der Box anläßlich des 70. Geburtstags Rothers erscheinen wird und den Namen „dreaming“ trägt.
Wo die ersten Alben „lust“ und „süssherz und tiefenschärfe“ noch sehr an dem bekannten 70er Jahre Sound von „Neu!“ orientiert sind, wird es ab „traumreisen“ 80er Jahre soundtrackhaft. Hier hat Rother wohl versucht, sich neu zu erfinden. Das gilt noch mehr für die folgenden Alben „esperanza“ und „remember“, die bei discogs passend unter Ambient laufen. Leider muss man auch sagen, dass diese neuen Gehversuche eher belangsloser Natur sind, sodass es vielleicht sinnvoller ist, sich auf die ersten Alben der Box zu konzentrieren, die es auch noch günstig gibt.
Bleibt die Frage, wie wohl das verlorene Album und das neue sein werden. Die letzten Live Auftritte u.a. mit Steve Shelley, dem ehemaligen „Sonic Youth“ Drummer, lassen da ja einiges erhoffen.

(vk)

Mikal Cronin – Switched-On Seeker

Mikal Cronin machte bislang immer psychedelisch beeinflussten Gitarrenpop, der auch gerne mal etwas schrammelig ausfallen konnte. Unter dem Einfluss der großen kalifornischen Waldbrände entstanden in einer Hütte 2019 gleich zwei Alben. Eines erschien Ende 2019 als „seeker“. Nun erscheint „switched-on seeker“, das als elektronischer Gegenpart zu „seeker“ angelegt ist und – nahe liegend – rein elektronisch ist. Die Übertragung des sunshinepoppigen Musikansatzes Cronins in eine rein elektronische Welt funktioniert dabei verblüffend gut.

(vk)

Caleb Landry Jones – The Mother Stone

Caleb Landry Jones konnte sich bislang in erster Linie einen Namen als Schauspieler machen („no country for old men“, „x men: first class“, „breaking bad“, „twin peaks“). Es muss aber betont werden, dass der 31-jährige US Amerikaner sich hier nicht in die zu lange Reihe von musizierenden Hollywoodgrößen einreiht, weil er erstens ja noch nicht zu den ganz Großen gehört und zweitens Musik macht seit er 16 ist.
Angeblich entstanden unter dem Einfluss der Syd Barrett Solo-Alben und des weißen Albums der „Beatles“, fühle ich mich an „the claypool lennon delirium“ – in weniger proggig – und das Solowerk von Sean Lennon erinnert. Die Stücke sind psychdelisch, vertrackt, unvorhersehbar und dennoch auf eine bemerkenswerte Art einfühlsam. Mal gibt es glamige Einsprengsel oder orchestrale Stücke. Interessantes Album, das auf jeden Fall Zeit zur Erkundung braucht.

(vk)

Italo Disco – Vinyl, Vinyl

Es gibt tatsächlich eine Band, die sich „Italo Disco“ nennt. Das Projekt kommt aus Kassel und beschreibt sich selber etwas seltsam so: „Italo Disco is a Italo Disco / Euro Disco band, but we do allso Electronic Body Music. You will find at our albums also single songs in 80s styles like New Beat, Wave, Aggrepo and others.“ Klingt etwas konfus. Aber gut. Sympathisch ist, dass sie sich offenbar selber nicht ernst nehmen. Titel wie „depeche mode party“ oder „i was a gothic in the 80s“ legen diese Vermutung zumindest nahe. Großteils ist die Musik ziemlich schlimm: 90er Großraumdeppendisko Leadsounds („back to the 80s“) treffen auf leider viel zu schlechten und viel zu sehr in den Vordergrund gemischten Gesang. Befremdlich ist zudem der Song „erich von däniken“, bei dem nicht so ganz klar ist, ob das nun ironisch sein soll oder schlicht ziemlich dümmlich ist.
Lange Rede, kurzer Sinn: Positives Highlight ist das trashig-tanzbare Stück „vinyl, vinyl“:

(vk)

Linea Aspera – LP II

Die Band „Linea Aspera“ muss Leserinnen und Lesern dieses Blogs vermutlich nicht weiter vorgestellt werden. Die Trennung des Duos ist schon einige Jahre her. Dann kam zum Jahreswechsel erst eine Compilation mit gesuchten Stücken heraus, völlig überraschend traten die beiden wieder auf, und um die Glückseligkeit perferkt zu machen, erscheint im September das zweite reguläre Album der Band – nach 8 Jahren und schlicht „lp II“ betitelt. Bsiher gibt es einen Song zu hören, der aber in jeder Hinsicht nahtlos an das erste Album anschließt. Da kann man sich wohl wirklich auf das neue Album freuen!

(vk)