Plugpoint Music – Last Chance

Nach der kleinen Sensation, dass uns Minimal Wave Rescords endlich ein Reissue des „Jyl„-Albums bescherte, legt das Label mit einer weiteren kleinen Sensation nach: Das gesuchte Minimal Album „last chance“ der deutschen Band „Plugpoint Music“ von 1987 wird endlich wiederveröffentlicht. Damals im Selbstrelease erschienen, hat es so gesehen nun das erste Mal eine reguläre Veröffentlichung. Ein Datum steht noch nicht fest, und vermutlich wird es auch noch ein wenig dauern – wie bei „Jyl“ – aber he: Letztlich reicht doch die Gewissheit, das Album in absehbarer Zeit in den Händen halten zu können.
Wer wissen möchte, was hier musikalisch zu erwarten ist, dem seien hier einfach die Vorschläge von Discogs aufgefürht, wenn man das Album aufruft: „Ceramic Hello„, „Snowy Red„, „A Blaze Clour“ und „Ami Marie“. Gute Acts als Orientierungs Koordinaten.

(vk)

Twice A Man – Works On Yellow

Das schwedische Projekt „Twice A Man“ begann 1982 mit Minimal Wave und nach Wandlungen über verschiedene Entwicklungsstufen hinweg bis heute aktiv. Ihr Song „battles“ vom Debüt „music for girls“ gilt schon als Klassiker. Das 1986 erschienen Album „works on yellow“ gibt es derzeit zum name your price bei bandcamp. Das sträflich unterschätzte Album verbindet auf eigenständige Weise Underground Elemente und Pop miteinander. Wave meets Synth Pop oder sowas.
Schöne (Wieder-)Entdeckung dank ET aus Hannover.

(vk)

Allysen Callery – Ghost Folk

Passend zu Halloween stelle ich heute das gerade erschienene Album „ghost folk“ der US-Amerikanerin Allysen Callery vor. Das könnte von Flair, Artwork und Songwriting her aus den späten 60ern stammen und ist wunderbarer melancholischer Folk wie zu der Zeit beliebt. Nicht ohne Grund hat Callery das Album u.a. dem großartigen Nick Drake gewidmet. Die Stücke bestehen fast komplett nur aus Callerys zebrechlich-melancholischem Gesang und Akustik Gitarre. Hier und da gibt es eine flächige E-Gitarre zu hören. Dieses Album ist keine Everyday-Platte, aber für Zeiten wie diese und spezielle melancholische Momente genau das richtige.

(vk)

Twist Noir – Untitled

„Plastiktanz“ kennen die geneigten Leser*innen dieses Blogs und Freund*innen unserer feinen „sowas von egal„-Sampler schon längst. Ihr Song „mir geht es danke gut“ ist sei langem ein Tanzflächenhit.
Dabei stellen zwei Mitglieder von „Plastiktanz“ zusammen mit der Sängerin Karena Hinze auch noch das großartige Projekt „Twist Noir“. Deren einzige Veröffentlichung ist eine 10″ mit sieben Tracks aus dem Jahr 1985, die erst nachträglich 2009 veröffentlicht wurde. Alle Tracks sind leicht artifizieller Minimal-Synth-Pop auf sehr hohem Niveau. Da überrascht es doch sehr, dass die limitierte 10″ auch elf Jahre nach Release noch immer recht günstig auf Discogs zu haben ist. Tipp!

(vk)

Various – Der Kosmonaut

Neues vom Kernkrach Label. Dieses Mal schenkt uns Doc Kernkrach eine brilliante und wunderbar liebevoll präsentierte Zusammenstellung von weitgehend exklusiven Minimal Tracks. Schon die Liste der Mitwirkenden liest sich wie eine Auflistung aktuell interessanter Acts des Genres: Nao Katafuchi, „Echo West“, „Luminance“, „Kinder Aus Asbest“, „Staatseinde“, Björn Peng, „Tilly Electronics“, „Mojo Beatnick“ und viele andere. Auch ein neues Projekt von Doc Kernkrach mit „Convex Model“ namens „The Ottoplast“ gehört dazu. Oder der isländische Geheimtipp „Aska„. Oder Überraschungen wie der „Luminance“ Track, der gar nichts mit dem sonst an EBM u.ä. orientierten Sound des Künstlers zu tun hat und – wie eigentlich alle Stücke des „kosmonauten“ – wunderbarer klassischer old school 80er Minimal ist. Das Schöne: Kein Aussetzer! Nicht selbstverständlich bei einem Sampler.
Und die Aufmachung: Ein schlichtes Cover mit einem Stern und der Aufschrift „Der Kosmonaut“ (der Stern wahlweise in gold, holografisch, matt-rot, rot glänzend), dazu ein Heft mit Infos zu allen Beteiligten. Und Highlight: Auf der vierten Seite (lediglich drei sind „bespielt“) prangt ein tolles Siebdruck Bild.
Rundum gelungenes kleines Kunstwerk, das sich offenbar prima verkauft. Daher empfiehlt es sich wohl, schnellstmöglich hier zuzuschlagen. Tracklist findet ihr hier.
Es wird gemunkelt, Teil 2 sei bereits in Arbeit!

(vk)

Various – Absolute Body Control – 1980/2020

Über „Absolute Body Control“ und ihren bedeutenden Einfluss auf unzählige Bands im elektronischen (Minimal-)Metier habe ich ja bereits in der Besprechung zu der Wiederveröffentlichung der „tapes 81-89“ Box geschrieben.
Nun erscheint auf Oraculo eine Dreifach-Lp mit Cover Versionen verschiedener Stücke der Helden. Bemerkenswert dabei ist, wie nahe fast alle Acts in ihrer Interpretation bei den Original Stücken geblieben sind. Das wird sicher der Bedeutung der band geschuldet sein. Dennoch ergeben sich dadurch spannende Versionen und machen den Sampler zu durchweg gut. Einzig der Preis für die drei 12″s ist mit 51,- Euro ziemlich happig – vor allem vor dem Hintergrund der fragwürdigen Pressungen und Artworks des Labels sowie der Tatsache, dass längst nicht alle Tracks exklusiv sind…

(vk)

NNHMN – Deception Island II

Das Berliner Duo, das gefühlt als aktueller Hype durch das virtuelle Dorf getrieben wird, ist zurück mit dem zweiten Teil ihrer im Juli gestarteten „deception island“ Reihe. Klischees waren bereits Thema in meinem ersten Bericht über die Band. Nun haben sie wieder aus den vollen geschöpft: Totenkopf in buntem 80er Bild. Das kennt man schon von Vapor Rave Veröffentlichungen. Musikalisch schließt die neue 6-Track EP aber an die letzte Ep an, und lässt sich zwischen „Boy Harsher“, „Minuit Machine“ und „Synths Versus Me“ verorten. Cold Wave meets Dancefloor. Das machen die beiden alles schon ganz gut. Aber mehr als „solide“ bleibt nicht als Eindruck.

(vk)

Rocket/Freudental – Erdenmenschen, Weggetreten

Das Stuttgarter Duo „Rocket/Freudental“ ist speziell und besonders. In ihrer Frühzeit vor 20 Jahren hatte ich das Glück, die beiden live zu sehen, und das sah so aus: Schlagzeug bestehend aus einem Koffer, Kanistern und allerlei Gedöns, Schrabbelgitarre und Gaga-Gesang mit Gaga-Texten. Das hatte das Flair der ganz frühen „Trio“ und war fantastisch. Danach habe ich die Band aus den Augen verloren. Offenbar waren sie in all den Jahren zwar immer da, bringen aber nun erst ihr 5. Album heraus – zugleich ihr erstes seit 9 Jahren.
Anno 2020 sind die Songs von „Rocket/Freudental“ etwas besser produziert und darüber hinaus elektronischer. Alles bleibt hier aber Mittel zum Zweck, um die „Gaganess“ umzusetzen. Als Referenzen sind dabei „Die Goldenen Zitronen“ und ein wenig „Fehlfarben“ hinzugekommen.
„erdenmenschen, weggetreten“ macht riesig Spass und verdient unbedingt Eure Aufmerksamkeit!
Oder wie sie singen:
„ihr seid alle Yoga Lehrer – wir brauchen euren Unterricht!“

(vk)

Pseudo Elektronixx – Helden

Die Band „Pseudo Elektronixx“ war Anfang der 80er aktiv und spielte eine eigene DIY Version von NDW meets Minimal meets Punk. Damals veröffentlichten sie nur eine LP und einige Tapes. Mit dabei waren Hits wie „ute, ach ute„, „lambarene (me and dr. schweitzer)“ und „der große zampano„, die das Label WSDP letztes Jahr auf der Ep „lambarene“ wiederveröffentlichte. Wie kaum anders zu erwarten, ist die längst vergriffen und wird bei Discogs für 100 Euro gehandelt.
Nun schiebt WSDP zum Ende des Jahres eine weitere 4-Track Ep der Band nach. „helden“ wird ausschließlich unbekanntes und unveröffentliches Material enthalten. Auch hier empfiehlt sich wohl schnelles Zuschlagen.

(vk)

Sam De La Rosa – Slick People

Sam de la Rosa war Sänger der allseits beliebten Minimal Synths Band „Led Er Est„. Die ist seit 2013 nicht mehr aktiv und de la Rosa solo unterwegs. Allerdings ist sein Output recht übersichtlich. Zwar gibt es mal ein paar digitale Tracks, physische Veröffentlichungen jedoch sind rar. In der Zeit seit 2013 brachte er es auf zwei Solo Eps. Mit „slick people“ folgt die dritte – die erste seit 3 Jahren.
Die ist äußerst vielseitig geraten. Der alte Bandsound schimmert lediglich noch bei dem Opener „who are you today…“ durch. Der Titeltrack ist eher experimentell. „if you can’t stop“ dürfte der stärkste Song der Ep sein. EBM meets wavig-harte Gitarren. Man fühlt sich musikalisch ein wenig an „Soft Moon“ erinnert. Den Abschluss bildet „repel“, das sich ziwschen Dancefloor und Experiment bewegt. Das alles ist solide, kann aber bei weitem nicht so überzeugen wie seine letzte Ep oder gar „Led Er Est“.

https://www.deejay.de/Sam_De_La_Rosa_Slick_People_EP_MNQ135_Vinyl__962882

(vk)