Schulverweis – Suppe

Kann es tatsächlich sein, dass ich das Debüt Album „suppe“ des Hamburger Projektes „Schulverweis“ noch gar nicht vorgestellt habe? Dann wirds aber Zeit! Vor ziemlich genau einem Monat erschien es ebenso wie die Debüt 7″ auf dem Label Neoprimitive. Die Band besteht zur Hälfte aus dem umtriebigen Johannes Haas aka „L.F.T.„, der dieses Jahr schon mehrer Eps veröffentlicht hat.
Nun also „Schulverweis“ mit ihrem DIY Minimalentwurf voller anarchistisch-irrer Ideen, dem sie hier aufs feinste treu bleiben. Man muss mit der schrottigen Produktion schon klarkommen, aber dann macht „suppe“ richtig Spass! Und mit „memory boy“ haben die beiden wie schon bei der Debüt 7″ einen echten Hit dabei.

(vk)

L7 – Smell The Magic

Vor 30 Jahren erschien die Ep „smell the magic“ von „L7“ als 6-Track Ep und enthielt mit „shove“ nicht weniger als einer der ersten breiter bekannten Grunge Songs, wenn man so will. Zum dem Zeitpunkt gab es zwar „Nirvana“ schon, aber „L7“ waren da noch ungleich bekannter mit ihrer ungestümen Mischung von Hard Rock und Punk. Zudem waren sie eine der prominentesten Frauenbands des Genres. Dabei haben die vier viele 80er US-Hardrock Klischees gleich mit bedient. Das macht aber gar nichts, so mitreißend ist „smell the magic“.
Zum Jubiläum erscheint die Ep remastered und in der auf neun Songs zu einem Album erweiterten Variante auf dem Grunge Label Sub Pop erstmals in der Form auf Vinyl. Menschen, die keine Berührungsängste mit Grunge, den „Ramones“ und 80er Rockklischees haben, werden hieran ihre helle Freude haben – wenn sie die Platte nicht eh schon im Schrank stehen haben…

(vk)

I.G. – Isolationsgemeinschaft

Das Duo „I.G.“ aus Berlin scheint mit „isolationsgemeinschaft“ sein Debüt zu präsentieren. Es erschien letzte Woche. Seltsamer Zeitpunkt für ein Debüt. Aber dem Titel nach ist es ja vielleicht gerade deswegen überhaupt entstanden.
Die Musik klingt sehr nach DIY und verbindet Minimal, Postpunk sowie Indiepop auf eine angenehme Art und Weise, die an den sympathischen Carlo Onda aka Karl Kave erinnert. Die beiden sollte man wohl mal im Auge behalten.

(vk)

Die Letzten Ecken – Die Letzten Ecken

„Die Letzten Ecken“ scheinen eine noch recht neue Band aus Berlin zu sein. Erst im Februar erschien ihr erstes Stück auf dem Sampler „achtung adk„. Im September erscheint das Debüt, ein selbstbetiteltes Mini-Album. Vom Artwork über die Musik bis hin zu den Texten wecken „Die Letzten Ecken“ Erinnerungen an Tape Releases aus den frühen 80ern. Man denkt unweigerlich „Malaria“, Ratinger Hof… Synthies treffen auf Punk und Experiment. Dabei schafft es die Band, erstaunlich wenig anstrengend und gleichzeitig nicht banal zu klingen.

(vk)

L.A. Witch – Play With Fire

Seit 2012 ist die aus – welch Überraschung – Los Angeles stammende Psych-Surf-Punk Band „L.A.Witch“ bereits atkiv. 2017 erschien das Debüt Album, letztes Wochenende der Zweitling „Play With Fire“. Surfige Gitarren und verhallter Gesang stehen im Mittelpunkt der Klangwelt des Trios. Manchmal entwickelt die Band dabei einen Wüstensound, manchmal einen leicht psychedelischen, aber immer einen garagigen. Das hat man freilich schon oft gehört und ist für meinen Geschmack etwas arg klischeebladen, macht aber trotzdem viel Spass.

(vk)

Various – Too Much Future – Punk In Der DDR

Es gab „too much future – punk in der DDR“ die Ausstellung, das Buch und eine Doku. Damit wurde eine Szene musealisiert, die in der DDR schlicht verboten war und dennoch spannend aktiv. Im September erscheint dazu auf dem Punk Label Major Label eine aufwendig gestaltete, 3 LPs umfassende Box inklusive 80-seitigem Buch. Sie erlaubt einen Überblick über die Ost-Punk-Szene, der sonst wegen der Verbote damals vermutlich nicht so einfach wäre. Schöne Sache das!

(vk)

Deradoorian – Find The Sun

Deradoorian ist Angel Deradoorian. Bislang war sie mir nicht bekannt, dabei ist sie äußerst umtriebig: So spielte sie schon bei den „Dirty Projectors“, dem „Animal Collective“-Seitenprojekt „Avey Tare’s Slasher Flicks“ und ist obendrein solo schon eine Weile aktiv. Das Info liest sich schlimm: Angel Deradoorian hat sich für „find the sun“ auf eine Art spirituelle Reise begeben. Was bei anderen vermutlich in einem peinlichen Desaster geendet wäre, führte im Falle von Deradoorian zu einem überraschend vielschichtigen und reifen Album.
Die Stücke sind meist schlicht instrumentiert. Man fühlt sich von Sounds, Produktion und Songwriting her an die 60er, manchmal Folk und Krautrock erinnert. Zusammen mit der Stimme bewegt sich Deradoorian damit dicht an dem Sound der inzwischen legendären „Broadcast“ oder auch der aktuell relativ bekannten „Vanishing Twin„. In jedem Fall hält das Album viele Überraschungen bereit. Es gibt bei jedem Hören Neues zu entdecken. Selbst das spröde „The Illuminator“ mit seinem abgehackten Rhythmus und der improvisierten Flöte(!) fasziniert. Tolles Album, das unbedingt gehört werden sollte!

(vk)

Hammershøi – Hammershøi

Bereits im Juli ist das Debüt des französischen Duos „Hammershøi“ auf Swiss Dark Nights erschienen. Das Rad neu erfunden haben Anne Dig und Ben Montes aus Rouen sicherlich nicht. Sie liefern aber überzeugenden, treibenden Synth Wave ab, den es dann gerne auch mal auf Vinyl geben dürfte.

(vk)

And Also The Trees – And Also The Trees

Die britischen „And Also The Trees“ sind seit 1982 aktiv und durchliefen eine wechselhafte Geschichte. Obwohl ihr Sound absolut eigenständig war und ist, standen sie immer ein wenig im Schatten anderer wie etwa „The Cure“. Das mag daran liegen, dass ihr selbstbetiteltes Debüt 1984 von Laurence Tolhurst produziert wurde, der damals noch Mitglied bei „The Cure“ war. Das bedeutete für „And Also The Trees“ Fluch und Segen zugleich: Einerseits verhalf ihnen der pominente Produzent von Anfang an zu einer gewissen Bekanntheit. Andererseits folgten völlig unberechetigt oft besagte Vergleiche mit den großen „The Cure“.
Jedenfalls war gerade dieses Debüt eine ausgesprochen besondere und intensive Platte, die nun erstmals seit 1984 eine Wiederveröffentlichung erfährt. Und zwar als aufwendig restaurierte Doppel LP inklusive diverser Singles und Demos. Fraglich ist nur, ob der Preis von weit über 50 EUR auch bei VÖ nächste Woche bleibt. Das wäre wahrlich eine Frechheit…

(vk)

Cold Comfort – The Submerging

Das Duo „Cold Comfort“ kommt aus der Ukraine und macht wavigen Synthie Pop. Aktiv sind die beiden schon seit 2013, veröffentlichten aber nur einige Eps. Zu Beginn waren sie auch noch sehr viel ungeschliffener und düsterer. Anno 2020 geht es sehr viel poppiger zu. Das steht ihnen sehr gut, zumal „Cold Comfort“s Songs sehr viel ausgefeilter wirken. Mal sehen, wie der Rest von „The Submerging“ wird…

(vk)