Kiss That – Kiss & Tell

Kennt noch wer „The Glove„, jenes Seiten Projekt von „Cure“s Robert Smith und Stephen Severin von „Siouxsie And The Banshees“? Dafür hatten die beiden Herren die beeindruckend gute Sängerin Jeanette Landray angeheuert, die einigen Stücken wie „like an animal“ einen ganz eigenen Stempel aufdrücken konnte. Dass die Künstlerin auch nach der Zusammenarbeit mit den beiden prominenten Kollegen noch aktiv war, ist über die Zeit etwas in Vergessenheit geraten. Das 1986 erschienene Album von „Kiss That“ wird daher unberechtigterweise gern verramscht. Dabei sind die postpunkig angehauchten Popsongs durchaus überzeugend. Allein die Cover Version von „i can’t stand the rain“ lohnt ein reinhören. Da die Platte – wie gesagt – überall günstig angeboten wird, unbedingte Kaufempfehlung.

(vk)

Eyedress – Full Time Lover

Vor kurzem hatte ich das neue Werk von „Eyedress“ bereits angekündigt. Das Album wird insgesamt ganze 28 Tracks umfassen und ist ein wahrlich wilder Ritt. Neben den beiden Vorabsingles gibt es hier Punk Elemente, Pop, Hip Hop und was weiß ich. Natürlich gibt es auch wieder die feinen, verträumten Pop Songs. Überhaupt sind die Tracks bei aller Vielseitigkeit eher verhalten. Für die meisten Tracks hat sich „Eyedress“ Unterstützung geholt und zwar von interessanten Menschen wie „The Drums“, Gonjasufi, HOMESHAKE, Nosaj Thing, Paul Cherry, Chuck Strangers, Na-Kel Smith und Slimesito. In der zweiten Album-Hälfte orientiert sich „Eyedress“ kräftig an den Charts und packt den Autotune aus. Da bin ich persönlich komplett raus. Zugute halten kann man ihm aber die wahrlich beachtliche Vielseitigkeit, die einem Mixtape gleichkommt. Das ist laut Info auch so gewollt. Das ist sicher spannend, aber teilweise doch etwas schwierig… Vermutlich wird es kaum Menschen geben, die alle Tracks des Albums mögen.

(vk)

Schneebezen – Amnesia Lane

Das Synthpop Duo „Schneebezen“ dürfte wohl einen der beknacktesten Bandnamen ever haben. Mitte der 80er gegründet brachten sie es 1989 lediglich auf ein Tape und eine 12″. Dank einiger Radio Promotion brachten sie es in den USA zur einer gewissen Bekanntheit. Doch bevor es zum Durchbruch kommen konnte, löste sich die Band auf und geriet in Vergessenheit. Erst durch den vor zwei Jahren erschienenen Sampler „techniques. a techno-pop selection from the usa. 1982-1990“ gerieten sie hier und da wieder in den Fokus. Ihr 80er Synth Sound mit den typischen Klängen der späten 80er und frühen 90er ist überaus spannend. Nun veröffentlicht das Label Mecanica – leider nur digital oder als Tape – die Ep „take those shades off“ inklusive massig Bonus Material unter dem Namen „amnesia lane“ neu. Ergebnis: 30 Tracks. Was es bislang zu hören gibt, überzeugt durchweg. Da wird der Rest sicher auch nicht übel sein. Nun fehlt nur noch eine Vinyl Version…

(vk)

Chevalier Avant Garde – Death Drive

Über drei Jahre nach dem letzten Minialbum „deadlock“ ist gerade das neue Werk des kanadischen Duos „Chevalier Avant Garde“ erschienen. „death drive“ schließt an den Sound des letzten Albums an, wirkt aber ausgereifter. Hier treffen Synthpop und Vapor Wave aufeinander. Der Minimal des Debüts vor zehn Jahren ist nahezu komplett vergessen. Das macht aber gar nichts; denn wo sie auf den letzten Alben bisweilen einen etwas orientierungslosen Eindruck machten, ist „death drive“ ein rundes, feines Popalbum für schwüle Sommerabende. Schönes Album! Tipp!

(vk)

Of Montreal – Freewave Lucifer Fck

Kevin Barnes aka „Of Montreal“ hat es wieder getan und uns ein neues Album geschenkt. Nach wie vor veröffentlicht das Kollektiv bzw. Barnes beinahe jährlich ein Album – minimum. Das letzte war etwas enttäuschend. Aber he, bei dem Output sei das verziehen. Vor allem, wenn sich Barnes dann mit „freewave lucifer f<ck f^ck f>ck“ zurückmeldet. Einen kurzen Pophit sucht man hier vergebens. Dafür strotzt jeder Track vor Ideen. Es gibt wieder tolle Melodien und Sounds. Und wieder schafft es Barnes mit Leichtigkeit, den Bogen von den 60ern in die Jetztzeit zu vollziehen. „Beach Boys“ meets Vapor Wave oder so. Nur ganz anders. Dieses Album lässt sich wohl nicht beschreiben und will unbedingt durchgehört werden. Denn nur so erschließen sich die Stücke. Tolles Album!

(vk)

Princess Chelsea – Everything Is Going To Be Alright

Elf Jahre und vier Alben nach dem unverhofften Durchbruch mit „the cigarette song“ (der ja auch Jonathan Bree zu erstem internationalem Ruhm verhalf) ist die neuseeländische Künstlerin „Princess Chelsea“ mit neuer Single zurück, die gleichzeitig Vorbote für das im Oktober erscheinenden Album „everything is going to be alright“. „the forest“ fängt wie ein gewöhnlicher Indie Popsong an und steigert sich dann immer mehr – inklusive Fuzz Gitarrensolo und mehrstimmigem Gesang. Gefällt!

(vk)

Kikagaku Moyo – Kumoyo Island

Das japanische Musik Kollektiv „Kikagaku Moyo“ hat sein Ende angekündigt. Nicht aber ohne ein letzten Album zu veröffentlichen. Die Band die mit freeform Psychrock begonnen hat, wurde im Laufe der Zeit immer aufgeräumter und beinahe poppig. Das letzte Album „kumoyo island“ bewegt sich nun zwischen verträumten Psych inklusive Sitar und Krautigem oder auch überdrehtem Psychrock. Damit liefern sie einen wilden Querschnitt durch ihr gesamtes Schaffen ab. Von daher nicht nur für Fans ein Muß!

(vk)

Staatseinde – Fehlerlinie

Zwei Jahre nach ihrer letzten Ep „darüber reden wir nicht“ sind die drei Niederländer im September zurück mit einem neuen Album. Bisher gibt es drei Stücke zu hören, die zwar noch immer druckvoll, tanzbarer Minimal Electro sind, aber nun etwas mehr Song Struktur aufweisen als die letzten etwas clubigeren Releases. Es geht munter nach vorne, irre Ideen finden sich noch immer zu Hauf. „fehlerlinie“ wird ganz sicher ein Riesenspaß! Da bin ich sicher!

https://medicalrecords.bandcamp.com/album/fehlerlinie-mr-090

(vk)

Sprung Aus Den Wolken – Sprung Aus Den Wolken

Im September erscheint auf Bureau B (das ja auch unsere feinen „sowas von egal“-Sampler veröffentlichte) das selbstbetitelte Debüt der Berliner Band „Sprung Aus Den Wolken“ neu. Die Band war neben den „Einstürzenden Neubauten“ eine der Bands, die auf dem so oft von mir beschworenen Festival der Genialen Dilletanten im Jahr 1981 spielte. Das Debüt Album erschien im darauf folgenden Jahr. Die Musik entspricht freilich dem typischen DIY Tape Sound jener Zeit. Da das Original inzwischen recht hochpreisig ist, darf man sich auf diese Reissue unbedingt freuen!

(vk)

Panda Bear & Sonic Boom – Reset

Noch einmal zu der bald erscheinenden Zusammenarbeit von „Panda Bear“ und „Sonic Boom“: „reset“ hält tatsächlich, was die Vorabsingle „go“ versprochen hat. Die Stücke atmen 60er Westcoastfeeling durch und durch. Selbst wenn „Sonic Boom“ singt, der ja eine ganz andere Stimme hat als der tatsächlich an Brian Wilson erinnernde „Panda Bear“, schwingt die sommerliche „Beach Boys“-Leichtigkeit mit. Dazu hört man die anderen Projekte beider Künstler deutlich heraus – seien es „Spectrum“, „Animal Collective“ oder die letzten „Sonic Boom“ Solo Arbeiten. Vielleicht kommen sie dabei näher an das heran, was Brian Wilson mit seinem legendären „smile“ Album erreichen wollte als Wilson selber. Schön, wie hier der 60s Vibe mit moderner Musik verbunden wird. Schade, dass dieses sommerliche Album physisch erst im Herbst erscheint.

(vk)