Fr. Dionysios Tabakis – Paradise Metal

Vorab: Das hier ist KEIN Metal. Aber es ist ein Release, das es in sich hat. Ich denke, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte „paradise metal“ ist einzigartig. Das soeben auf dem griechischen Label Heat Crimes erschienene Album ist das Debüt des 53-jährigen orthodoxen Priesters. Das hat er allein zu Hause aufgenommen. Und die Musik? Ihr ahnt es, das wird wild! Tabakis spielt tatsächlich eine Metal Gitarre. Allerdings verzichtet er bis auf Hall weitgehend auf Effekte. Bemerkenswert ist auch die Art, wie er spielt: Eine Liedmelodie führt, dazu werden Akkorde eingeworfen und ein Tremolohebel setzt zusätzlich Akzente. Die Tonalität ist bewusst byzantinisch. So hört sich das für westeuropäische Ohren bisweilen recht orientalisch an. Noch wilder wird es, wenn er die Drummachine und den Synthie auspackt und obendrein liturgisch-sakralen Gesang hinzufügt. Einer dieser Songs heißt „techno ἐν Μοναστηρίῳ“ – Techno im Kloster. Es gibt auch Techno Christmas und einen Rap Track! Da spricht Tabakis zu sakralem Gesang und Glocken. Man muss sich hierauf einlassen. So irre das Alles ist, so großartig und wie gesagt: einzigartig ist „paradise metal“. Ach so: Erhältlich als Tape und digital hier.

Dieses Video ansehen auf YouTube.
Mit Klick auf das Video schicken Sie Daten (IP-Adresse, Browserinformationen) an Google-Youtube.

(vk)

Denis & Denis – Cuvaj Se!

Das Duo „Denis & Denis“ dürfte wohl die bekannteste Synthwavepop Band aus dem ehemaligen Jugoslawien sein. Und gerade ihr Debüt „cuvaj se!“ überzeugt durchgängig mit tanzbaren Songs voller großaritger Sounds und Melodien. Das Album stammt aus dem Jahr 1984 und war in den letzten Jahren – wenn überhaupt – nur überteuert und/oder in fragwürdigem Zustand auf Vinyl zu haben. Nun hat Croatia Records das Album in den Abbey Road Studios neu mastern lassen und soeben als LP wiederveröffentlicht. Derzeit scheint es noch keinen Vertrieb in Deutschland zu geben. Aber da Kroatien zum Glück in der EU ist, kann man die Platte auch für einen fairen Preis direkt beim Label bestellen. Und die LP kommt obendrein mit Download Code. Wenn das keine guten Nachrichten sind…

Dieses Video ansehen auf YouTube.
Mit Klick auf das Video schicken Sie Daten (IP-Adresse, Browserinformationen) an Google-Youtube.

(vk)

The Fall – Fall Heads Roll

Mark E. Smiths „The Fall“ sind Legende mit der in allen Belangen durchgezogenen Kompromisslosigkeit. Vom Spätwerk des 2018 viel zu früh verstorbenen Smith gilt das 2005er Album „fall heads roll“ als eines der besten. Nicht ohne Grund sind alle Vinyl Varianten gesucht und teuer. Minimale Strukturen und die (fast) immer ordentlich auf die Glocke. Da hat Smith die zu jener Zeit angesagten Indie-Schrabbelbands noch einmal ordentlich in ihre Schranken verwiesen. Highlight dürfte das schon beinahe krautige „blindness“ sein. Gerade ist das Album als Doppel Lp neu erschienen. Allerdings nicht ganz billig. Aber immernoch weit günstiger als die dreistelligen Preise bei Discogs!

Dieses Video ansehen auf YouTube.
Mit Klick auf das Video schicken Sie Daten (IP-Adresse, Browserinformationen) an Google-Youtube.

(vk)

Equinoxious – Sound Cartography (2017-2019)

Der Mexikaner Rogelio Serrano aka „Equinoxious“ ist schon seit seinem Debüt 2014 mit dem Hit „cosmódromo“ ein fester Bestandteil der Szene-Dancefloors. Er veröffentlichte bereits auf Kernkrach und Young & Cold spannende Alben. Dabei machte er nie einen Hehl aus seiner Verehrung für den großen „Martial Canterel“. Das hört man gerade seinem Frühwerk auch an. In den letzten Jahren wurde es etwas ruhig um das Projekt. In der Zwischenzeit war Serrano mit „Gris Futuro“ aktiv. Morgen erscheint nun die „Equinoxious“ Zusammenstellung „sound cartography (2017-2019)„, für die er passenderweise wieder zu Kernkrach zurückgekehrt ist; denn hier gibt es wieder schönen Modular-infused Minimal zu hören. Mal instrumental, mal mit Gesang. Herrlich!

https://equinoxious.bandcamp.com/album/sound-cartography-2017-2019

(vk)

Body Shop – Sex Body

Das Chicagoer Trio „Body Shop“ ist noch recht frisch und hat bisher nur eine Ep veröffentlicht. In ihrer Heimat Stadt durften sie aber bereits jetzt schon im Vorprogramm von „Anika“ spielen. Ihre Musik ist zwar Postpunk, aber im weiteren Sinne. Sie vermengen einige momentan beliebte Musikrichtungen zu etwas eigenem, das irgendwie hängen bleibt. Vinyl gibt es zwar auch, allerdings bisher nur teuer direkt aus den USA. Und dann sind da noch Bandname und Ep Titel: Googlet das mal – gern zusammen mit „Vinyl“… Hach ja.

Dieses Video ansehen auf YouTube.
Mit Klick auf das Video schicken Sie Daten (IP-Adresse, Browserinformationen) an Google-Youtube.

(vk)

Lee „Scratch“ Perry & Mouse On Mars – Spatial, No Problem

Ok, das ist eine wilde Mischung! Reaggae Legende Lee „Scratch“ Perry zusammen mit den deutschen „Mouse On Mars“, die in den 90ern als nicht weniger als die Innovatoren elektronischer Musik galten. Um Irritationen aus dem Weg zu räumen: Leider ist Perry ja bereits 2021 verstorben. Diese Aufnahmen stammen aus dem Jahr 2019 und sind angeblich sein letztes offizielles Projekt gewesen. Es liegt auf der Hand, dass bei zwei so besonderen Acts etwas ganz Spezielles rauskommt. Zugegeben: Ich hatte etwas Sorge, dass die zu vielen Köche die Suppe verderben könnten. Aber mitnichten! Der Opener allein: Das hört sich an wie „Can“ zu Malcolm Mooney Zeiten. Überhaupt startet das Album sehr krautig. Bei „spatialee“ kommen Dub Elemente und aufregende Bläser Sätze zwischen Jazz und Weltmusik dazu. Darüber brabbelt Perry. Und siehe da: Das klappt ganz wunderbar. Überhaupt hört man dem Album an, dass hier viel experimentiert wurde. Allerdings nicht Experiment als Selbstzweck, sondern tatsächlich als Suche nach neuen Wegen. Und so ist ein überraschend innovatives Album entstanden. Tipp!

Dieses Video ansehen auf YouTube.
Mit Klick auf das Video schicken Sie Daten (IP-Adresse, Browserinformationen) an Google-Youtube.

(vk)

The Short Wave Mystery – The Complete Broadcasts

Minimalkombinat hat es wieder getan und sich selber mit einem grandiosen neuen Release übertroffen: Dieses Mal eine Lp plus drei(!) CDs der obskuren US-Band „The Short Wave Mystery“. Die Band selber veröffentlichte 1985 lediglich ein 4-Track Ep. Das wars. 2010/11 veröffentlichte das Minilabel (W|S) World Service Collective die EP neu. Darüber hinaus eine Ep mit sechs weiteren Tracks und on top eine CDr mit 15 Tracks aus dem Backkatalog der Band. Das bescherte dem Quartett unverhofften späten Ruhm. Tracks wie „pilots“ oder „seperate divisions“ wurden Dancefloor Filler. Die Musik ist dabei zwar Synthpop, aber mit so ungewöhnlichen Sounds, dass „Short Wave Mystery“ eigentlich mit keiner anderen Band des Genres vergleichbar ist. Die Eps sind inzwischen nur noch für extrem hohe Preise auf einschlägigen Plattformen zu bekommen. Dieses neue Release fasst eine Auswahl von 10 Tracks auf Vinyl zusammen und wird ergänzt durch drei CDs mit sämtlichen bisherigen Releases der Band plus Demos und unveröffentlichtem Material. Ein rundum sorglos Paket also. Großartig!

Dieses Video ansehen auf YouTube.
Mit Klick auf das Video schicken Sie Daten (IP-Adresse, Browserinformationen) an Google-Youtube.

(vk)

Frankie Goes To Hollywood – Radio One Sessions 1982-1983

Die britische Band „Frankie Goes To Hollywood“ dürfte sicher den meisten bekannt sein. Ebenso ihr krass überladen von Trevor Horn produziertes Debüt „welcome to the pleasuredome“. Dass die Band eigentlich eine waschechte Postpunk Band war, wurde spätestens mit Release der Deluxe Version des Debüts im letzten Jahr offenbar. Die enthielt die Radio Sessions der Band von 1982 und 1983. Zum Record Store Day, den ich ja eigentlich pauschal ablehne, sind diese Sessions als einzelne Lp erschienen. Die Versionen der bekannten Songs des Debüts von „relax“ bis „power of love“ sind ausgesprochen spannend und gleich in mehrerer Hinsicht aufschlussreich. Zum einen fügen die postpunkigen Versionen den großen Popnummern ganz neue Facetten hinzu. Die Songs sind wirklich gut! Gleichzeitig erfährt man, was passiert, wenn junge Bands von großen Produzenten durch die Mangel genommen werden. Denn allzu viel haben diese Versionen mit den bekannten nicht gemein. Vielmehr denkt man an die ganz frühen „Simple Minds“, die ja auch ganz anders klangen, bevor deren großen Erfolge kamen. Auch wenn Record Store Day Release: Unbedingte Kaufempfehlung!

Dieses Video ansehen auf YouTube.
Mit Klick auf das Video schicken Sie Daten (IP-Adresse, Browserinformationen) an Google-Youtube.

(vk)

Tricky – Different When It’s Silent

Der Brite „Tricky“ dürfte sicher als einer der TripHop Mitbegründer gelten. 31 Jahre nach dem Debüt erscheint im Juli sein neues Album „different when it’s silent“. Eigentlich sollten die Tracks mit einem seiner zahlreichen Seitenprojekt veröffentlicht werden. Wegen der hohen Qualität aber konnte der Manager „Tricky“ zum Glück überzeugen, mit den Songs sein eigenes neues Album zu füllen. Vorab gibt es den Track „out of place“ zu hören, der sich verblüffend nah am Frühwerk des Künstlers bewegt. Das liegt sicher auch an der langjährigen Mitstreiterin Martha, die hier mitsingt. Wirklich gutes Ding, das Neugier auf das Album weckt!

Dieses Video ansehen auf YouTube.
Mit Klick auf das Video schicken Sie Daten (IP-Adresse, Browserinformationen) an Google-Youtube.

(vk)