João Gilberto – Wo Bist Du, João Gilberto?

João Gilberto ist vor nicht einmal einem Monat mit 88 Jahren gestorben. Das Werk, das er hinterlässt, darf man sicher mit Fug und Recht einzigartig nennen. Er hat 1963 zusammen mit Stan Getz nicht nur die erfolgreichste Jazz Platte aller Zeiten aufgenommen, sondern hat vermutlich gleichzeitig mit „the girl from ipanema“ das wohl bekannteste Stück und zugleich die Referenz des Bossa Nova schlechthin geschaffen. Nebenbei hat er den Bossa Nova mit seinem Debüt von 1959 scheinbar beiläufig erfunden. Die Leichtfüssigkeit verbunden mit einer tiefen Sehnsucht konnte wohl nur João Gilberto dank seiner seltsam unspektakulären Stimme schaffen.
Dabei zeichnete den Musiker privat eine gewisse Lebensuntüchtigkeit aus. In den letzten Jahren seines Lebens hat er sich selber völlig von der Außenwelt zurückgezogen und lebte allein von anderen Menschen weitgehend abgeschirmt in einer kleinen Wohnung in Rio de Janeiro. Ihm wurde gar eine ausgeprägte Misanthropie nachgesagt.
Vor ein paar Jahren machte sich der recht bekannte deutsche Pop Journalist Marc Fischer auf die (erfolglose) Suche nach dem scheinbaren Phantom und schilderte seine Erlebnisse in dem Buch „hobalala: auf der suche nach joâo gilberto“. Tragischerweise kam Fischer durch Suizid schon vor seinem Idol zu Tode.
Der Filmemacher Georges Gachot nahm das zum Anlass, sich auf die Spuren des Buches, Fischers und letztlich auf die Gilbertos zu begeben. Das Ergebnis ist ein absolut sehenswerter Film über Menschen voller Sehnsucht, die auf eine seltsame Weise miteinander verbunden zu sein scheinen.
Nach dem Film sieht man das Genie Gilberto anders, ist aber gleichzeitig (noch mehr) in seinen Bann gezogen.

(vk)